Für die Tierrechtlerinnen ist vegane Ernährung auch politisches Statement: für die Gleichheit aller Lebewesen und für den Klimaschutz. In ihrem Podcast Beautiful Commitment ermutigen sie uns, an einen gesellschaftlichen Wandel zu glauben und ihn mitzugestalten. 

„10 Fragen an“ ist meine Interviewreihe, mit der ich euch junge Aktivist*innen vorstelle, die man mit ihren Engagement mindestens einem der 17 Nachhaltigkeitsziele der United Nations (oft nur SDGs oder Sustainable Development Goals der UN) zuordnen kann. So bekommt ihr nicht nur einen Überblick über aktuelle Probleme, sondern lernt auch junge Menschen kennen, die konkret an Lösungen arbeiten. Wenn ihr die Aktivist*innen und ihre Projekte unterstützen möchtet, findet ihr immer unter den 10 Fragen die Infos, wie ihr das machen könnt. 

Essen und Klimaschutz 

Wenn ihr weiter nach unten scrollt, findet ihr das Interview mit Caro und Stephie. Vorher möchte ich euch aber unbedingt noch zeigen, was ich gefunden habe. Ein Zeitzeugnis aus dem Jahr 1980, das den Zusammenhang zwischen Essen und Umweltschutz aufzeigt: Die Programmankündigung des Bayerischen Rundfunks für die siebenteilige Reihe „Nahrung für die Zukunft“ (S. 48 im PDF).

1980 vs. 2020, Traum und Wirklichkeit 

Wie haben sich die Menschen das damals vorgestellt, wie wir uns heute ernähren würden? In der Programmankündigung steht:

„Zwei Wege werden zur Zeit verfolgt, um den Hunger kommender Milliarden zu stillen: eine Intensivierung des herkömmlichen Anbaus und der Massentierhaltung bis ins Extrem – oder die allmähliche Umstellung unserer Eßgewohnheiten auf eine neue, den Produktionsmöglichkeiten unserer Erde angemessene Nahrung. Der erste Weg wird vermutlich bald an seine Grenzen stoßen, denn er endet nach Ansicht vieler Experten nicht nur in einer Zerstörung der Bodenvitalität, sondern wird auch an seinem steigenden Energieaufwand scheitern. Wir müssen uns also damit befassen, welche ökonomischere und ökologischere Art von Nahrungsbeschaffung und Ernährung wir schon heute anstreben kön­nen.“

Im Folgenden wird als eine denkbare Strategie „vermehrte Pflanzennahrung statt Fleischkonsum“ genannt. 

1980 glaubte man daran, dass Politik und Wirtschaft auf die Expert*innen hören würden. Dass die Verantwortlichen eine Produktionsart anstreben werden, die im Einklang mit unser Erde steht. 

Heute, 40 Jahre später, wissen wir, dass die Intensivierung des herkömmlichen Anbaus nicht am steigenden Energieaufwand gescheitert ist. Stattdessen betreiben wir seit Jahrzehnten Raubbau an unserer Erde: Unser Ressourcenverbrauch im Jahr 2019 war so groß, dass wir 1,75 Erden bräuchten, um unseren Bedarf zu decken. (Mehr Hintergründe zum Earth Over Shoot Day zum Beispiel bei Utopia.)

Fleischverzicht für eine nachhaltige Welt

Aber wir haben nur diese eine Erde, keinen „Planet B“. Die Expert*innen und Klimaschützer*innen warnen deshalb eindringlich – immer noch – vor den schwerwiegenden Folgen der intensivierten Massentierhaltung für Mensch und Natur. 

Auch die UN hat erkannt, dass die vermehrt pflanzliche Ernährung deshalb ein wichtiger Baustein ist, um die Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Zum Beispiel für folgende Ziele:

Über Beautiful Commitment

Zwei, die mit ihrem Aktivismus sehr gut zu den oben aufgezählten SDGs passen, sind Caro und Stephie. Die beiden Hamburgerinnen starteten im Februar 2019 den gemeinsamen Podcast Beautiful Commitment. Mit ihm leisten sie – in ihrer Freizeit neben ihren “richtigen Jobs” – wichtige Aufklärungsarbeit über vegane Ernährung und Tier- bzw. Klimaschutz. Das ist angesichts der Klimakrise und vierzig Jahre nach der oben zitierten Programmankündigung des BR tatsächlich noch notwendig.

Caroline von Schwerin, Stephanie Klann, Podcasterinnen "Beautiful Commitment", Kampagne
Caro (l.) und Stephie sitzen mittendrin in ihrer Vegan-Filterblase, und das meine ich ausschließlich positiv: Sie sind in der Szene stark vernetzt, organisieren Demos, treten als Speakerinnen bei Events auf und initiieren Kampagnen. (Bild © Beautiful Commitment)

In ihrem Podcast sprechen sehr reflektiert über ihre Arbeit als Tierrechtsaktivist*innen. Trotz ihrer Expertise verurteilen sie niemanden, der nicht vegan lebt. Das macht es für mich so angenehm, diesen Podcast zu hören. Selbst als “Halbzeitvegetarier” oder neugieriger Fleischesser fühlt man sich angesprochen.

Die Freundinnen erinnern sich noch sehr gut an ihre eigenen Anfänge und lassen viele persönliche Erfahrungen in die Podcast-Folgen einfließen. Sie schildern ihren veganen Lebensstil und ihren Kampf für Tierrechte glaubhaft als Bereicherung statt als Verzicht. Und damit ermutigen sie uns alle, fleischloser Ernährung eine Chance zu geben.

10 Fragen an …

Caroline von Schwerin und Stephanie Klann

Caroline von Schwerin, Stephanie Klann, Podcasterinnen "Beautiful Commitment", Vortrag
Caroline von Schwerin (l.) und Stephanie Klann lernten sich beim Straßenaktivismus kennen, sie wurden Freundinnen und teilen seitdem den Wunsch, die eigene Lebenszeit so sinnstiftend wie nur möglich zu gestalten. Mit ihrem gemeinsamen Podcast Beautiful Commitment haben sie ihren Weg gefunden, etwas bewegen zu können und sich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen. (Bild © Beautiful Commitment)

GENERATION i: Wann habt ihr angefangen, euch zu engagieren und für welches Thema?
Caro: Das war 2014 als Straßenaktivistin für Tierrechte. Ich habe die Aktionsgruppe Hamburg der Albert Schweitzer Stiftung mitbegründet.

Stephie: Angefangen hat es bei mir 2016, ebenfalls als Straßenaktivistin für Tierrechte. Ich bin Mitbegründerin einer Hamburger Lokalgruppe von Animal Equality Germany.

Wenn euch jemand fragt, warum ihr euch gerade für Tierrechte einsetzt, dann antwortet ihr …?
Caro: … weil es unsere Pflicht ist, die Schwächeren zu schützen. Weil ich mich schon immer für Gerechtigkeit eingesetzt habe und jedes Lebewesen auf dieser Welt ein Recht auf Freiheit und Unversehrtheit haben sollte.

Stephie: … weil Tiere, die wir für unseren Konsum produzieren lassen, dem Menschen so sehr ausgeliefert sind. Und gleichzeitig sind sie so unschuldig. Es ist mehr als bizarr. Diese Ungerechtigkeit ist für mich nicht akzeptabel. Es zerbräche mir das Herz, würde ich nicht aktiv für sie sein.

Was sind aktuell die größten Hürden für eure Arbeit? 
Beide: Faktor Zeit, Zeit und noch mal Zeit. Es ist einfach zu wenig Zeit.

Welches Projekt würdet ihr sofort umsetzen, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden?
Beide: Beautiful Commitment in Vollzeit. Wir haben so krass viele Ideen und Pläne für Projekte, die notwendig sind. Aber das wird kommen, bald. 

Apropos Zeit: Job, Podcast, Demos, Vorträge, Bloggen – wie schafft ihr das zeitlich? Hat euer Tag mehr als 24 Stunden?
Caro: Wenn man die Nacht zum Tag macht, ist vieles möglich. Fokus, Fokus, Fokus …

Stephie: Ich wünschte, es wären mehr Stunden. Mein Warum – also der Grund, warum ich aktiv bin – ist so stark, dass ich mein Leben im Rahmen des Finanziellen und Organisatorischen bereits so ausgerichtet habe, dass ich einen Großteil meiner freien Zeit dafür aufbringe. Glücklicherweise sind alle meiner Freunde genauso aktiv. So sind wir oft zusammen, haben Spaß und erschaffen gemeinsam Großes.

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Caro ist auch festes Teammitglied des Tierrechtsaktivistenbündnisses und organisiert große Tierrechtsdemonstrationen wie den Animal Rights March 2019 in Berlin. (Bild © Beautiful Commitment)

Euer schönster oder lustigster Moment als Aktivistin? 
Caro: Da fällt mir eine total lustige Aktion ein. Der Animal Rights March 2019 in Berlin war gerade zu Ende, und wir waren total erleichtert, rund 5.600 Menschen auf die Straßen gebracht zu haben. Wir waren wieder zurück in Hamburg, wo uns die glorreiche Idee kam, bei Stephie in der Spielstraße ein “Single-Die-in” für eine Instagram-Story zu veranstalten. Die Umsetzung war leicht, mein Auto war noch voll mit dem Demo-Equipment vom Berlin-Trip. Ich lag also mit Megaphon, Demo-Schild und mit meinem Hund auf der völlig leeren Straße, während Stephie vor der Kamera als rasende Reporterin über eine radikale Veganerin berichtete, die Hamburg lahmlegt. Fazit der Aktion: Viele Likes, verwirrte Nachbarn, die nicht mehr grüßen und zwei Passanten, die dachten, wir meinen es ernst – und die sich seitdem total in ihren Vegan-Vorurteilen bestätigt sehen. Wir hatten aber unglaublichen Spaß dabei, uns selbst auf den Arm zu nehmen.

Stephie: Ich muss an den Moment denken, als wir entschieden haben, ab sofort mit unserer Botschaft für mehr Tierrechte als Speakerinnen auf die Bühne zu gehen. Angefangen hat es im Winter 2018, als wir ein Wochenend-Seminar gecrasht haben. 200 einflussreiche Menschen saßen in einem Raum vor uns und mussten uns zuhören, nachdem wir ein Mikrofon ergattert hatten. Wir haben den Rahmen so krass gesprengt, dass wir schon Angst hatten, dass sie uns rausschmeißen würden. Als ich mit meinem Plädoyer für die Tiere und gegen die Massentierhaltung fertig war, liefen mir die Tränen runter und mein Herz sprang mir fast aus der Brust. Wie gesagt, wir hatten so etwas noch nie gemacht. Aber anstatt uns auszubuhen, begannen die Menschen jedoch plötzlich aufzustehen, zu klatschen und zu pfeifen. Einige kamen auf uns zugelaufen, nahmen uns in den Arm, gaben uns ein High-Five, viele um uns herum weinten ebenfalls. Der Seminarveranstalter kam auf uns zu und sagte: „Es war richtig, dass ihr den Mund aufgemacht habt.” Das war eine echt krasse Erfahrung.

Welche Person hat euch zuletzt beeindruckt und warum? 
Caro: Sarah Heiligtag vom Lebenshof „ Hof Narr“. Sie setzt sich tagtäglich mit so viel Herz, Verstand und Liebe für Tiere ein. Mit ihrem Lebenshof schuf sie nicht nur ein Zuhause für viele Tiere, die vor dem Tod gerettet wurden, sondern informiert mit Führungen rund 400 Menschen pro Woche darüber, was für faszinierende und liebenswerte Persönlichkeiten die geretteten Tiere sind. Zusätzlich engagiert Sarah sich mit Hingabe für die Umstrukturierung landwirtschaftlicher Betriebe, indem sie ein wahres Vorbild für die Bauern ist.

Stephie: Jens Heuchemer, vegan lebender Speaker und Trainer. Er hilft mit seinem großartigen „Pure Satisfaction Podcast“, den beruflichen Erfolg auch auf das persönliche Glück zu übertragen. Ich denke, dass wir in der veganen Bewegung viel mehr mit den Techniken der Persönlichkeitsentwicklung arbeiten sollten. Das macht uns effizienter und gleichzeitig erfüllter. Denn trotz all dem Leid, haben wir ein Anrecht auf Glück. Jens ist ein Mensch, dessen Energie und Hingabe ansteckend ist. Es begegnen uns im Alltag viel zu selten Menschen, die dieses Glitzern in den Augen haben. Aber genau diese Menschen sind es, die es schaffen, andere Menschen zu bewegen und damit die Welt zu verändern.

Wie informiert ihr euch, um immer up to date zu sein? Verratet uns eure Quellen für Nachrichten und die wichtigsten Termine!
Caro: Social Media, hauptsächlich YouTube und Facebook, Podcasts und aus den Zeitungsausschnitten, die mir mein Vater ausschneidet und zuschickt. 😉

Stephie: Ich liebe Podcasts, Instagram und YouTube. Auch wenn ich um die GEZ nicht drumherum komme, so schaue ich seit zwei Jahren bereits kein TV mehr und verzichte auf Radio. Meine Lebenszeit ist zu kostbar für schlechte Nachrichten.

Eine gute Fee kommt vorbei und ihr bekommt die einmalige Chance, ein Gesetz zu erlassen: Was steht drin?  
Beide: Die Würde jedes Lebewesens ist unantastbar.

Vervollständigt bitte den Satz: Es lohnt sich, die eigene Komfortzone zu verlassen, weil …
Beide: … es einfach unfassbar ist, was da draußen noch alles auf uns wartet! Am Anfang hast du so große Angst vor dem Unbekannten. Aber wenn dein Herz weiß, dass du Recht hast, dann habe den Mut, ihm zu trauen und wage den Schritt. Wenn du weißt, wohin du willst, werden plötzlich die verrücktesten Sachen passieren. Es ergeben sich überall crazy Zufälle, es kommen Menschen in dein Leben, die dir helfen und zu Freunden werden, es öffnen sich auf einmal Türen für dich, von deren Existenz du nichts geahnt hast. All das passiert, wenn du den Mut hast, neue Wege zu gehen.


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