Natalya gründete 2016 die Plattform Netzwerk Chancen. Mit ihr ermöglicht sie jungen Menschen aus bildungsfernen und finanzschwachen Familien den sozialen Aufstieg. Etwas, das in Deutschland nur schwer aus eigener Kraft zu schaffen ist – wie Natalya aus eigener Erfahrung weiß.

„10 Fragen an“ ist meine Interviewreihe, mit der ich euch junge Aktivist*innen vorstelle, die man mit ihren Engagement mindestens einem der 17 Nachhaltigkeitsziele der United Nations (oft kurz nur SDGs, Sustainable Development Goals) zuordnen kann. So bekommt ihr nicht nur einen Überblick über aktuelle Probleme, sondern lernt auch junge Menschen kennen, die konkret an Lösungen arbeiten. Wenn ihr die Aktivist*innen und ihre Projekte unterstützen möchtet, findet ihr immer unter den 10 Fragen die Infos, wie ihr das machen könnt. 

Über Netzwerk Chancen 

Quizfrage: Zwei Kinder, beide haben die gleichen kognitiven Fähigkeiten, aber die Chance auf eine Gymnasialempfehlung ist bei einem 3,81 mal höher als beim anderen. Warum? 

Antwort: Weil Chancengleichheit in Deutschland nicht der Realität entspricht. Schon gar nicht in unserem Bildungssystem. Denn das benachteiligte Kind stammt aus einer Facharbeiterfamilie, während das Kind, das seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert wird, in einem Akademikerhaushalt aufwächst.

Diesen und anderen Ungerechtigkeiten hat Natalya, Gründerin von Netzwerk Chancen, 2016 im Alter von 26 Jahren den Kampf angesagt. Zusammen mit ihrem Team entwickelte sie ein Förderprogramm speziell für 18–39-Jährige, die aus prekären Verhältnissen kommen, also aus finanzschwachen oder bildungsfernen Familien. 

Für die Teilnehmer*innen des Förderprogramms organisiert Netzwerk Chancen regelmäßig Veranstaltungen. Aktuell werden 450 junge Aufsteiger*innen unterstützt, damit sie den sozialen Aufstieg schaffen. (Bild © Inka Junge)

Diejenigen, die jahrelang benachteiligt wurden, lernen mit Hilfe von Netzwerk Chancen, worauf es in der Berufswelt ankommt, welche Fähigkeiten sie noch erwerben müssen und, ganz wichtig, ihnen wird Selbstbewusstsein vermittelt. Das Programm ist für die Teilnehmer*innen kostenlos und beinhaltet: 

  • Workshops,
  • Vernetzungsveranstaltungen, 
  • Arbeitgeberkontakte,
  • Austausch mit anerkannten Persönlichkeiten, die selbst sozial aufgestiegen sind.

Momentan werden 450 junge Aufsteiger*innen gefördert. Sie können schon bald den sozialen Aufstieg schaffen, von dem sie bisher nur träumen durften.

Mit Netzwerk Chancen hat Natalya ein Projekt geschaffen, das tatsächlich das Leben von Menschen nachhaltig verändert und verbessert. Ein beeindruckendes Beispiel, wie das Nachhaltigkeitsziel Nummer 4 erreicht werden kann: Hochwertige und chancengleiche Bildung für alle. 

Wenn ihr wissen wollt, was die SDGs sind und warum es sie gibt, schaut euch das kurze Youtube-Video des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) an. Oder ihr klickt euch durch die Seite der 17 Ziele, da sind viele Informationen für jedes einzelne Ziel zusammengestellt.

Jetzt geht es aber erst einmal weiter mit meinen 10 Fragen an Natalya.

10 Fragen an …
Natalya Nepomnyashcha

Die Person hinter Netzwerk Chancen: Die 29-jährige Social-Startup-Gründerin Natalya Nepomnyashcha. (Bild © Inka Junge)

GENERATION i: Mit wie viel Jahren hast du angefangen, dich zu engagieren und für welches Thema?
Natalya: In der Schule habe ich, da war ich 12 oder 13 Jahre alt, mein gesamtes Erspartes für ein Waisenprojekt in Afrika gespendet. Etwa 80 Euro. Das hat sich irgendwie richtig angefühlt. 

Wenn dich jemand fragt, warum du dich gerade für Chancengleichheit einsetzt, dann antwortest du …?
Ich bin in einer Hartz IV-Familie aufgewachsen und habe einen Migrationshintergrund. Am eigenen Leib durfte ich erleben, wie schwer sich der soziale Aufstieg in Deutschland gestaltet, wenn man kein Selbstbewusstsein, keine Kontakte und wenig Wissen darüber hat, worauf es in der Bildungs- und Arbeitswelt ankommt. Mein eigener Bildungsweg war von Steinen übersät, auch der Berufseinstieg gestaltete sich schwierig. Ich möchte andere junge Aufsteiger dabei unterstützen, ihren Weg möglich gut gehen zu können.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen bei deiner Arbeit? 
Wir sind ein zu 95 Prozent ehrenamtliches Team. Alle zu motivieren, immer am Ball zu bleiben und qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten, ist manchmal eine Herausforderung.

Welches Projekt würdest du sofort umsetzen, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden?
Eine bundesweite Kampagne, die auf die soziale Herkunft als Diversity-Faktor aufmerksam macht, mit TV-Spots, Social-Media-Werbung, Plakatwerbung und so weiter, unterstützt von Prominenten.

Apropos Zeit: Du hast einen Vollzeitjob als Senior PR Consultant und hast 2016 nebenbei ein Social-Startup gegründet, das du bis heute ehrenamtlich leitest – wie schaffst du das zeitlich? Hat dein Tag mehr als 24 Stunden?
Ich kann mich sehr gut strukturieren und ich priorisiere stark. Bevor ich eine Aufgabe anfasse, oder jemand aus meinem Team, überlege ich, ob sich der Input auch lohnen wird. Wenn absehbar ist, dass man sehr viel Arbeit in etwas investiert, das vermutlich keinen großen Output generiert, wird die Aufgabe aussortiert. Außerdem achte ich darauf, dass die Zuständigkeiten klar verteilt sind und jeder seinen Verantwortungsbereich hat. 

Dein schönster oder lustigster Moment als Aktivistin? 
Wenn junge Menschen auf mich zukommen und sagen, dass ich sie inspiriert habe, aus sich herauszugehen, zu netzwerken und um ihre Zukunft zu kämpfen.

Welche Person hat dich zuletzt beeindruckt und warum? 
Immer wieder Steve Jobs. Er kam aus einfachen Verhältnissen und hat die Welt verändert. 

Wie informierst du dich, um immer up to date zu sein? Verrate uns deine Quellen für Nachrichten und die wichtigsten Termine! 
Der Podcast Lage der Nation und Spiegel Online.

Eine gute Fee kommt vorbei und du bekommst die einmalige Chance, ein Gesetz zu erlassen. Was steht drin?
In allen Bundesländern wird das mehrgliedrige Schulsystem abgeschafft. Jedes Kind darf an seiner Schule bleiben und, sofern es das möchte und die Leistungen dafür erbringt, das Abitur machen. Oder eben früher abgehen.

Vervollständige bitte den Satz: Es lohnt sich, die eigene Komfortzone zu verlassen, weil …
… es oft nicht so schwierig ist, wie man davor denkt.


Ihr möchtet Netzwerk Chancen unterstützen?

Ihr könnt dabei helfen, Natalyas Projekt bekannter zu machen: Folgt Netzwerk Chancen auf Twitter und auf Instagram und teilt die Beiträge. Außerdem freut sich die Netzwerk-Chancen-Crew über eure Unterstützung als: