Kinder sind so wunderbare Vorbilder, wenn es um zivilen Ungehorsam geht. Rebellion gehört quasi zu ihrem ganz natürlichen Verhalten, von Geburt an gegeben, ohne dass sie groß über die Konsequenzen nachdenken. Wann haben wir eigentlich aufgehört, alles infrage zu stellen?

“Show me what democracy looks like!” – “THIS is what democracy looks like!”

Jede Familie ist ein kleiner Staat

Ein kleines Gedankenexperiment: Jede Familie ist ein kleiner Staat. Die Eltern stellen die Regierung und die Kinder repräsentieren das Volk. Während die Großen die Regeln vorgeben, halten sich die Kleinen immer brav daran. 

Wie gesagt, nur ein Gedankenexperiment. Denn die Realität sieht anders aus. Kinder haben einen ganzen Katalog an Maßnahmen, um ihren Ungehorsam zu demonstrieren. 

  • Sie hinterfragen alle elterlichen Entscheidungen, ständig und überall. 
  • Wenn Kinder anderer Meinung sind, sagen sie es laut und solange, bis ihnen einer zuhört. Völlig egal, ob zu Hause oder im vollen Supermarkt. Unangenehm auffallen? Das ist ihnen fremd.
  • Sie widersprechen, und sie widerlegen Behauptungen mit Fakten: „Das stimmt nicht. ALLE gucken tausendmal mehr Fernsehen als ich, und ich habe noch nie jemanden mit eckigen Augen gesehen!“
  • Verbote werden ignoriert, um im Selbstversuch eigene Erfahrungen zu sammeln: „Seht ihr, ich kann doch schon allein im Stehen schaukeln“. 
  • Sie rebellieren und sabotieren den gemeinsamen Alltag, um ihren Forderungen größtmöglichen Ausdruck zu verleihen: Verweigern von Anziehen, Essen, Schlafengehen und so weiter.

So erkämpfen sich die kleinen Bürger*innen jeden Tag ihr Mitspracherecht und ein Mehr an Freiheiten.

Kindlicher Widerstand für alle

Zurück zu uns und unserer Regierung. Auch sie dringt mit Gesetzen in nahezu alle Bereiche unseres Lebens vor. Und auch wir können uns mehr Mitspracherecht erkämpfen – indem wir den kindlichen Widerstand auf unser Handeln und Denken übertragen. 

Fünf Beispiele, wie das aussehen kann 

Wir müssen die Aussagen der Politiker und bestehende Gesetze hinterfragen: Warum spricht man beispielsweise Jugendlichen unter 18 Jahren das Wahlrecht ab? Und muss das so für immer sein? 

Wir müssen unseren Unmut nicht nur leise im Privaten äußern, sondern laut in der Öffentlichkeit, zum Beispiel indem wir an Demonstrationen teilnehmen.  

Wir müssen uns mehr Hintergrundinformationen besorgen, um offensichtlich und weniger offensichtlich falsche Aussagen widerlegen zu können. Ist ein Beschluss wirklich alternativlos oder bekommt er nur dieses Label, weil die anderen Optionen nicht zum Parteiprogramm passten?

Wir müssen Verbote ignorieren, wenn uns das dabei hilft, unsere Ziele zu erreichen – natürlich darf niemand dadurch zu Schaden kommen. 

Wir müssen rebellieren. Wenn uns niemand zuhört, dann müssen wir Wege finden, dass sich das ändert. Ob von innen heraus als Mitglied einer Partei oder von außen mit Protestaktionen. 

Mutig und unbequem sein 

Ein perfektes Lernvideo, wie Hinterfragen funktioniert, hat Rezo mit Die Zerstörung der CDU vor der Europawahl abgeliefert, absolut sehenswert. 

Jan Böhmermann ist bekannt dafür, unbequem und kritisch zu sein. Mit seinem satirischen Gedicht über den türkischen Präsidenten löste er im März 2016 eine Kontroverse aus, über die sogar die New York Times berichtete. Am Ende der Böhmermann-Affäre war Paragraf 103 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen und seither Majestätsbeleidigung in Deutschland nicht mehr strafbar.

Fridays for Future ignoriert die Schulpflicht und streikt verbotenerweise jeden Freitag während der Unterrichtszeit. Die Bewegung stieß so eine öffentlichkeitswirksame Debatte an. Mittlerweile wird glücklicherweise nur noch nebensächlich über die Schulpflicht diskutiert und stattdessen über die wirklich relevanten Inhalte wie das Pariser Klimabkommen, die CO2-Bepreisung und den Umweltschutz. 

Jetzt anfangen 

Ihr habt Lust, jetzt aktiv(er) zu werden und wisst aber nicht genau, wie? Nun muss nicht jeder von uns gleich eine neue Greta Thunberg oder ein neuer Jan Böhmermann werden. Aber wir können diejenigen unterstützen, die sich bereits für eine bessere Zukunft engagieren. 

Im ersten Schritt gilt es deshalb herauszufinden, wer zu den eigenen Ideen und Zielen passt. Auf den Internetseiten von Aktionsgruppen, Organisationen und Bewegungen stehen meist deren zentrale Forderungen und wie sie agieren, um diese durchzusetzen. 

Fast alle bieten offene Treffen für Neue an, die noch mehr Infos brauchen oder die Gruppen mal live erleben möchten. Die Termine geben sie über ihre Social-Media-Kanäle, Plattformen wie Meetup oder direkt auf den eigenen Internetseiten bzw. via Whatsapp- bzw. Telegram-Channel bekannt. 

Meine Treffen, eure Fragen 

Ich werde demnächst (für mich, aber auch für euch) einige offene Treffen besuchen und anschließend unter Veranstaltungen darüber berichten. Unten findet ihr eine erste Übersicht, wo ich plane hinzugehen.

Wenn ihr Fragen habt, die ich für euch den Aktionsgruppen stellen soll: Immer her damit! Einfach eine kurze Mail mit dem Betreff „Meine Fragen“ an christina[at]generation-i.de schicken.  

Vielleicht seid ihr ja auch gerade auf der Suche nach Input und wir sehen uns bei einem der Treffen in Berlin?!

Extinction Rebellion Berlin 

Mitmachen
https://extinctionrebellion.de/mitmachen/aktiv-werden/
Termine 
https://www.meetup.com/de-DE/Extinction-Rebellion-Berlin/

Fridays for Future

Mitmachen 
https://fridaysforfuture.de/mitmachen/
Termine
https://fridaysforfuture.de/regionalgruppen/

Klimanotstand Berlin 

Mitmachen 
https://klimanotstand.berlin/mach-mit/
Termine
https://www.facebook.com/pg/KlimanotstandBerlin/events/

Critical Mass Berlin

Infos zur Bewegung
http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/was-ist-critical-mass/
Termine
http://itstartedwithafight.de/critical-mass-deutschland/

Amnesty International 

Mitmachen 
https://amnesty-bb.de/mitmachen/
Termine Berlin-Brandenburg
https://amnesty-bb.de/

Greenpeace Berlin

Mitmachen 
https://greenpeace.berlin/ueber/
Termine
https://greenpeace.berlin/termine/

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

Mitmachen
https://www.bund.net/mitmachen/mitmachseite/
Termine
https://www.bund.net/service/termine/