Meine Smarthome-Reise hat vor einigen Jahren eher experimentell angefangen und ist heute deutlich konsolidierter und vor allem stabiler geworden.
Am Anfang stand eine klassische Bastelphase: gestartet bin ich mit Homematic IP, Philips Hue und einigen Eve-Devices ohne Matter nur mit BlueTooth. Dazu kamen mit der Zeit eine ganze Reihe Aqara-Sensoren, die ich über Conbee per Zigbee eingebunden habe. Die Brücke in Apple Home / HomeKit lief über Node-RED, angebunden waren die HomematicIP-Geräte per MQTT mittels CCUJack auf der Homematic-Zentrale CCU3. Technisch hat das alles funktioniert – und es hat auch viel Spaß gemacht, die verschiedenen Systeme miteinander zu verheiraten.
Mit der Zeit st allerdings für mich das wohl typische Problem vieler Smarthomes aufgetreten: Der „Geräte-Varianten-Hersteller-Zoo“ wurde immer größer. Unterschiedliche Hersteller bedeuteten unterschiedliche Apps, Bridges und Integrationen. Dazu kamen Themen wie alternde Geräte (EVE), wechselnde oder eingeschränkte HomeKit-Kompatibilität und der generelle Wartungsaufwand. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem der Betrieb mehr Arbeit als Nutzen war.
Deshalb habe ich angefangen, das Setup bewusst zu vereinfachen und zu konsolidieren. Schrittweise sind dabei insbesondere Eve und Aqara aus dem System verschwunden. Übrig geblieben sind heute im Kern nur noch zwei Gerätekategorien, die sich für mich als zuverlässig und langlebig erwiesen haben:
- Homematic IP für Sensorik, Aktoren und "klassische" Hausautomation (Fenster auf Thermostat off)
- Philips Hue für Beleuchtung und Smart Buttons
Was ich sehr schätze an HomematicIP sind die Direktverknüpfungen. Es muss nicht immer eine Automation auf einem zentralen Hub sein! Nicht zu vergessen der WAF. Es muss halt alles laufen, ohne das das Smarthome dazwischen funkt oder ausfällt. Leider ist das nicht immer der Fall...
Seit etwa einem Jahr läuft außerdem Home Assistant als zentrale Plattform. Die Automationen, die früher fast ausschließlich in Apple Home (manches auch in Node-RED) lagen, sind nach und nach dorthin migriert. Das hat mehrere Vorteile: mehr Flexibilität, bessere Übersicht und deutlich stabilere Automationslogik.
Die Architektur ist heute entsprechend deutlich schlanker:
- Homematic IP und Hue als tragende Systeme smarter Geräte
- Home Assistant als Automations- und Integrationsplattform
Node-RED nutze ich gelegentlich noch zum Experimentieren oder für Prototypen. Wenn sich eine Logik bewährt, portiere ich sie später meist nach Home Assistant, damit alles zentral gepflegt bleibt. Node-RED ist inzwischen eher eine Spielwiese als produktiver Kernbestandteil.
Ein weiterer Baustein, der sich über die letzten mehr als zwei Jahre bewährt hat, sind zusätzliche Edge- und Network-Services für Telemetrie, Analyse und Lokalisierung. Dazu gehören insbesondere InfluxDB und Grafana für Visualisierungsaufgaben. Während Home Assistant zwar grundlegende Historienfunktionen bietet, ermöglichen Influx und Grafana deutlich tiefere Analysen – etwa zur langfristigen Entwicklung von Temperaturverläufen, Heizzyklen, Luftqualität oder Energieverbrauch. Gerade für Optimierungen von Automationen oder zum Verständnis von Systemverhalten sind diese Auswertungen hilfreich.
Parallel dazu experimentiere ich seit längerem mit ESPHome-basierten Bluetooth-Beacons als dezentrale Bluetooth-Scanner und melden erkannte Geräte an Home Assistant. Damit lassen sich einfache Präsenz- oder Raum-Näherungslogiken umsetzen, ohne auf proprietäre Systeme angewiesen zu sein. Das Ganze läuft vollständig lokal und fügt sich gut in die bestehende Home-Assistant-Architektur ein.
Mein „strategisches Ziel“ für das Smarthome ist inzwischen auch klarer geworden: Ich möchte möglichst wenig aktiv steuern müssen. Das Haus soll weitgehend selbst reagieren, kontextabhängig handeln und nur dann Aufmerksamkeit verlangen, wenn es wirklich nötig ist. Idealerweise funktioniert das über eine Kombination aus:
- sinnvollen Automationen
- Sprachsteuerung
- Sensorik und Zustandslogik
- adaptivem Verhalten (Tageszeit, Anwesenheit, Nutzungsmuster)
Die Vision ist also ein Smarthome, das keine App zur Bedienung braucht, weil es im Alltag einfach richtig reagiert. Die Apps sollen dann nur noch für Konfiguration oder Ausnahmefälle bleiben.
Rückblickend war der Weg über viele Systeme zwar manchmal chaotisch, hat Lehrgeld gekostet aber auch sehr lehrreich. Heute weiß ich ziemlich genau, was für mich funktioniert: weniger Plattformen, stabile Kernsysteme und eine saubere zentrale Logik – ergänzt um lokale Datenanalyse und Edge-Services, die zusätzliche Einblicke und Automationsmöglichkeiten eröffnen.