Smart Home mit integrierter Rückfall-Ebene zum „normalen“ Zuhause aka. Fallback-Lösung bei Smart Home Ausfall

  • Moin Moin zusammen,

    Inspiriert aus anderen Threads möchte ich einige Möglichkeiten aufzeigen, das Smart Home so zu gestallten, dass es auch bei Ausfall zentraler Geräte (Gateways, Steuerzantrale, Router,…) oder Medien (WLAN, …) noch manuell („dumm“) bedienbar bleibt. Alle sind herzlich eingeladen weitere Möglichkeiten und Geräte mit der Community zu teilen.

    Erstmal… Warum ist es empfehlenswert eine Rückfall-Möglichkeit „einzubauen“?

    1. Die schlimmsten Gründe zuerst: Vorsorge für plötzlicher längerer Krankenhausaufenthalt oder unerwartetes Ableben des Smart Home Erbauers. Ausgerechnet in so schwierigen Zeiten funktioniert irgendwas plötzlich nicht mehr. Die weniger technikbegeisterten Angehörigen sitzten Zuhause kriegen das Licht nicht an, die Heizung bleibt kalt, das SmartLock spielt verrückt und keiner weiss was zu tun ist …
    2. HomeKit glänzt nicht gerade mit Zuverlässigkeit. Es kann lange zeit sehr zuverlässig funktionieren, aber auch mal einige tage oder Wochen nur ein bisschen oder gar nicht. Wer weiß was das nächste Update bringt…
    3. Open Source Smart Home Softwaren, wie HA, ioBroker und Co., laufen idR sehr zuverlässig, ABER was wenn … man was verbastelt?.. das Speichermedium verreckt? … irgendein Update zuschießt etwas? … Der PC auf dem z.B. HA läuft brennt durch? … eine unerklärliche plötzliche Fehlfunktion alles lahm legt? Oder oder oder? Aus leidlicher eigener Erfahrung kann ich euch sagen: Sowas passiert meist zum ungünstigst möglichen Zeitpunkt - 1h vor Start in den Urlaub oder es nachts mal besonders schnell gehn muss auf dem Weg zu Klo…
    4. (Baut auf Punkt 2. und 3. auf)Der WAF leidet - viel Spaß wenn man der Frau des Hauses, die den ganzen Smart Kram eh nur für sinnlos hält, zum X-ten Mal erklären darf warum der Schalter neben der Tür schon wieder nicht funktioniert…
    5. Unzuverlässiges WLAN
    6. Wer weiss was ich vergessen habe =O


    Nun zum Eigentlichen:

    Welche Möglichkeiten und Geräte gibt es, die auch bei smartem Ausfall (z.B. Gatewayausfall) eine unsmarte „dumme“ Steuerung ermöglichen?

    1. Verwendung von Unterputzmodulen/Hutschinengeräte mit Tastereingang. Der Tastereingang schaltet bzw. dimmt idR das Gerät welches am Lastausgang angeschlossen is. Geräte Hersteller -Bsp.: Iluminize, Bosch, Aqara, Sunricher, Tuya, Ubisys, Shelly …..
    2. Verwendung von Tastern/Schaltern mit integriertem Schaltrelais oder Dimmer. Geräte—Hersteller Bsp.: Aqara, Eve
    3. Bei Zigbee lautet das Zauberwort Binding. Binding lässt sich, soweit mir bekannt, nur mit Open Source Zigbee Gateways, wie Zigbee2mqtt und ZHA, nutzen und konfigurieren. Beim Binding werden die Funktionen(on/off, Levelcontroll, usw.) zweier Geräte, welche bereits mit dem Zigbee Gateway verbunden sind, DRIEKT verbunden - z.B. ein Hue Dimmschalter mit (mehreren) Hue e27. Das bedeutet, dass der Schalter die die E27 direkt, ohne Umweg über das Gateway, anfunkt. Hier müssen ggf. weitere Einstellungen vorgenommen werden, dass die E27 auch immer ihren korrekten Status ans Gateway meldet. Nicht alle Geräte unterstützen Binding! Mit ein bisschen Tante Google findet man heraus welche Geräte es unterstützen. Philips Hue, Ikea, Müller Tint Iluminize, Sunricher können es, Aqara nicht.
    4. Nexentro Zigbee Tasterschnittstelle (TS). Diese TS lässt sich on so ziemlich jedes Zigbee Netzwerk integrieren ohne in der jeweiligen Hersteller App sichtbar zu werden (Hue, Bosch, Ikea, usw.). Die Konfiguration erfolgt über die Nexentro Config App (Bluetooth). Es können 2 Taster oder Schalter angeschlossen werden und zur Licht- oder Rollosteuerung konfiguriert werden. Es können auch Szenen hinterlegt werden. Über einen Taster können z.B. an/aus, dimmen UND Warmweiss/Kaltweis gesteuert werden. Die Installation ist mit und ohne Neutralleiter möglich. Ohne Neutralleiter ist die maximale Last dahinter lt. Beschreibung zu beachten!
    5. Bei Z-Wave lautet das Zauberwort: Assoziation. Im Prinzip ist es das Selbe wie Binding bei Zigbee aus Punkt 3.. Hierzu kann ich nicht mit nennenswerten Erfahrungswerten punkten. Es soll, neben Lichtsteuerungen, auch Fensterkontakte und Temperatursensoren geben die sich direkt ohne Umweg über ein Gateway, mit einem Heizkörperthermostat koppeln lassen. Hierzu findet man Expertise im https://community-discourse.smarthome-for-dummies.de Forum
    6. Bei Homematic IP lassen sich zwischen allen zueinander gehörenden Geräten (Schalter - Schaltaktor / Fensterkontakt - Raumthermostat - Heizkörperthermostat / …) Direktverknüpfungen herstellen. Hierzu ist eine Homematic IP CCU3 nötig. Alternativ gibts auch die identische 100% kompatible Rasperrymatic zur Installation auf einem Rasperry Pi oder als HA Addon (HmIP Funkstick nötig!). Zum neuen Home Control Unit Gateway kann ich, mangels Erfahrungen, nichts sagen. Achja… vom HmIP gibts auch Fußbodenheizungsaktoren für den Heizkreisverteiler.


    Hoffentlich habe zu der späten Stunde nicht all zu viel Tippfehler reingehauen …

  • Das Zauberwort heißt Redundanz. Essentielle Funktionen sollten immer auf mehreren Wegen erreichbar, sprich steuerbar, sein.

    Ich setze seit ca. 2014 auf HomeMatic und habe alle drei CCUs durch. Die aktuelle schenke ich mir, denn die bietet aus meiner Sicht keinerlei Vorteile ggü. der CCU3. Den Access Point mag ich ebenso wenig, denn der bedingt erstens eine Cloud-Lösung und zweitens ist er bei weitem nicht so frei konfigurierbar, wie eine CCU. Als ich noch im Haus mit meiner Familie lebte, waren die wichtigsten Dinge des Hauses über HomeMatic steuer- und regelbar. Dazu zählten insbesondere die Gewerke Heizung, Beleuchtung, Beschattung und Sicherheit. Mir war schon damals wichtig, dass alles auch weiterhin lokal bedienbar sein musste. Jeder konventionelle Schalter wurde daher durch einen HomeMatic-Aktor mit Tasterwippe ersetzt. So läuft das System nun seit gut 12 Jahren sehr zuverlässig. Auch nach meinem Auszug.

    Irgendwann kam dann der ioBroker dazu. Einige haben damals den - zumindest nach meiner Auffassung - Fehler gemacht und haben ihre HomeMatic-Skripte komplett auf den ioBroker umgezogen (natürlich mit entsprechendem Aufwand, denn das geht ja nicht 1:1, da HomeMatic Skript eben kein Javaskript ist). Somit hat man seine recht autark laufende HomeMatic von einem weiteren System abhängig gemacht, auch wenn es komfortabler und schneller war als eine CCU. Ich habe schon damals alles, was auf der CCU umzusetzen ging, auf der CCU umgesetzt, und das auch so belassen. Ein großer Vorteil, wie sich bei meinem Auszug zeigte, denn ich konnte meine Synology DiskStation, auf der der ioBroker lief, einfach mitnehmen, und die HomeMatic lief unverdrossen weiter. Zwar mit ein paar Einschränkungen, aber die waren absolut verschmerzbar und ich konnte sie leicht entfernen.

    Neben der HomeMatic hatte ich damals eigentlich nur noch smarte Hausgeräte von der BSH (Bosch, Siemens) im Einsatz. Aber die liefen eher für sich über die Home Connect App. Und dann gab es noch mein geliebtes Briefkasten-Projekt mit zwei Raspis, die direkt im Briefkasten installiert waren. Auf dem einem lief der DoorPi, eine Video-Gegensprechanlage, mit dem anderen habe ich meine Briefkasteneinwürfe per IR-Kamera aufgenommen, gemeldet und gezählt. Den DoorPi hatte ich übrigens parallel zur bereits installierten Gegensprechanlage von Siedle eingebaut. So konnte ich dann auch bei meinem Auszug wieder beides problemlos ausbauen. Also auch hier Redundanz.

    Von der HomeMatic ließ ich einen Großteil im Haus, weil meine Ex-Frau auf die Annehmlichkeiten bzgl. der Heizung, Beschattung und Beleuchtung nicht verzichten wollte. Ein paar Aktoren und Sensoren, die sie nicht benötigte, nahm ich mit. Und so nutze ich auch weiterhin HomeMatic in meiner Mietwohnung (mittlerweile die zweite). Ich mag das System einfach, weil es einerseits geschlossen ist und andererseits auch so offen, dass man alles per Middlerware anprechen kann. Hier in meiner Wohnung setze ich neben HomeMatic und den BSH-Geräten eigentlich nur noch einen Dirigera-Hub von IKEA und ein Balkonkraftwerk von Anker ein. Gut, und einen Ring Intercom Video für meine Video-Gegensprechanlage. Aber das war's eigentlich. Kein einziges Gerät davon nutzt Matter oder Thread. Brauche ich nicht. Wichtig ist mir bei den Fyrtur-Rollos von IKEA aber, dass ich sie auf unterschiedlichste Weise (wieder Mal die Redundanz) ansprechen kann. So geht das über Siri, Alexa, HomeMatic und natürlicih auch zur Not direkt an den Rollos per Taster.

    Auch in meinen beiden Mietwohnungen habe ich sämtliche verbauten Schalter durch entsprechende HomeMatic-Aktoren mit Schaltwippen ausgetauscht. Ebenso alle Fenstergriffe, weil die vorhandenen etwas besser mit den Fenster-Drehgriff-Sensoren von HomeMatic kombinierbar waren. Im Zählerkasten habe ich dann noch einen Shelly Pro 3EM installiert, um die Nulleinspeisung meines Anker-Solix-BKW zu gewährleisten.

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