Reingeklickt: GoPro – Vom Surf-Traum zum Absturz
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Onliner -
4. Juni 2026 um 13:38 -
30 Mal gelesen -
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- Ein Surfer, eine Idee und zu viel Zeit in Australien
- Von Analog zu Digital: Die Hero-Modelle im Wandel
- Der Börsengang: Wall-Street-Liebling
- Der Wendepunkt: Smartphones und Fehlschläge
- Das Karma-Drohnen-Desaster (2017)
- Der Druck der Konkurrenz
- Die Krise spitzt sich zu: Der KI-Boom als Endgegner
- Der finanzielle Status quo (Q1 2026)
- Die Rettungsmaßnahmen: Wie geht es weiter?
- Was bedeutet das für Apple-Nutzer?
- Fazit: Das Ende einer Ära?
- Quellen
- Über den Autor:
Ein Surfer, eine Idee und zu viel Zeit in Australien
2002: Nick Woodman, ein leidenschaftlicher Surfer aus Kalifornien, bereist Australien und Indonesien. Er will sich selbst beim Surfen filmen, doch die damalige Technik ist zu teuer, zu unhandlich und nicht salzwasserbeständig.
Die Geburtsstunde: Woodman bastelt aus Surfboard-Leinen und Gummibänden einen Prototypen, um eine Kamera am Handgelenk zu fixieren.
Das Startkapital: Finanziert wird die Idee durch den Verkauf von indonesischen Perlen- und Muschelarmbändern.
Der erste Meilenstein (2004): Auf einer Messe in Las Vegas präsentiert er die Hero 35mm – eine analoge, wasserdichte und stoßfeste Filmkamera für 30 US-Dollar. Ohne Display oder WiFi, aber die Ego-Perspektive revolutioniert den Markt.
Von Analog zu Digital: Die Hero-Modelle im Wandel
Was als analoges Nischenprodukt begann, entwickelte sich rasant zur meistgenutzten Actionkamera der Welt.
Die frühen Jahre (2004–2012)
Hero 35mm (2004): Das analoge Original mit Handgelenksbefestigung.
Digital Hero 1 (2006): Der Einstieg in die digitale Welt (niedrige Auflösung).
HD Hero 1 (2009): Der echte Durchbruch mit HD-Video und einem 170^\circ-Weitwinkel.
Hero 2 (2011): Upgrade mit doppelter Bildrate, besserem Sensor und HDMI-Verbindung.
Hero 3 (2012): Erste 4K-fähige GoPro mit integriertem WiFi. Die Community explodiert; Hobbyfilmer und TV-Produktionen nutzen das System.
Der goldene Zeitraum (2014–2019)
Hero 4 (2014): 4K mit 30fps, Bluetooth und Touch-Display beim Session-Modell.
Hero 5 (2016): Einführung von GPS, Sprachsteuerung und erster digitaler Bildstabilisierung.
Hero 6 (2017): Eigener GP1-Prozessor und flüssiges 4K mit 60fps.
Hero 7 Black (2018): Markteinführung von HyperSmooth 1.0 und TimeWarp.
Hero 8 (2019): Integrierter Befestigungsfuß und modulares Zubehör (Media, Display und Light Mod).
Was ist HyperSmooth? Eine hochentwickelte elektronische Bildstabilisierung, die Erschütterungen in Echtzeit ausgleicht. Ab der Hero 7 machte sie externe Gimbals für die meisten Nutzer überflüssig.
Die moderne Generation (2020–2024)
Hero 9 (2020): Frontdisplay für Vlogger, 5K-Auflösung und neuer Formfaktor.
Hero 10 (2021): GP2-Prozessor ermöglicht erstmalig extreme 5.3K bei 60fps.
Hero 11 (2022): Größerer Sensor und eine automatische Horizontsperre.
Hero 12 (2023): HyperSmooth 6.0, HDR-Video und verbessertes Thermomanagement für längere Aufnahmen. Hero 13 (2024): 27,6-Megapixel-Sensor, Magnethalterung, WiFi 6 und bis zu 400fps im Slow-Motion-Modus (UVP: 449 Euro).
Der Börsengang: Wall-Street-Liebling
2014 geht GoPro an die Nasdaq. Der Ausgabepreis liegt bei 24 US-Dollar, katapultiert sich jedoch binnen weniger Monate auf knapp 100 Dollar. Woodman wird temporär zum meistbezahlten CEO der USA, das Unternehmen wird mit über fünf Milliarden Dollar bewertet.
Der Wendepunkt: Smartphones und Fehlschläge
Schon 2015 gerät das Wachstum ins Stocken. Das Kernproblem: Das Smartphone wird zu gut. Für alltägliche Aufnahmen im Urlaub reicht das Smartphone plötzlich völlig aus. Die Zielgruppe schrumpft auf Enthusiasten.
Zusätzlich belasten strategische Fehlentscheidungen und harte Konkurrenz das Geschäft.
Das Karma-Drohnen-Desaster (2017)
GoPro versucht mit der eigenen Drohne Karma den Markt zu erobern. Aufgrund von Akkustörungen stürzen zahlreiche Drohnen im Flug ab. Es folgt ein lmassiver Rückruf. Anfang 2018 zieht sich GoPro komplett und verlustreich aus dem Drohnengeschäft zurück. Der Aktienkurs bricht auf rund 5 US-Dollar ein.
Der Druck der Konkurrenz
DJI wildert mit der Osmo Action-Reihe direkt im Revier von GoPro – oft günstiger und mit starkem Ökosystem.
Insta360 besetzt innovativ die Nische der 360°-Kameras.
Günstig-Anbieter überschwemmen den Markt mit 4K-Alternativen im zweistelligen Eurobereich.
Die Krise spitzt sich zu: Der KI-Boom als Endgegner
Nach einer kurzen Erholung im Jahr 2021 (Wechsel auf Direktvertrieb und Abo-Modelle) schlittert GoPro in eine neue, externe Krise.
Moderne Kameras benötigen DRAM-Speicherchips. Die großen Hersteller (wie Samsung und Micron) schichten ihre Kapazitäten aktuell massiv auf HBM-Speicher (High Bandwidth Memory) um, da dieser für die Rechenzentren von künstlicher Intelligenz (KI) gebraucht wird.
Die Folge: Standard-DRAM für Kameras wird knapp und verteuert sich teils um über 100 Prozent.
Während Branchenriesen wie Apple diese Kosten abfedern können, trifft es GoPro existenziell.
Der finanzielle Status quo (Q1 2026)
Umsatzeinbruch Q1/2026: -26 % (auf 99 Mio. USD)
Nettoverlust Gesamtjahr 2025: ca. 93 Mio. USD
Verfügbares Kapital: ca. 50 Mio. USD
Aktienkurs: von fast 100 USD auf ca. 0,60 USD
Am 1. Juni 2026 gibt GoPro offiziell bekannt: Es bestehen erhebliche Zweifel am Fortbestand des Unternehmens (Going Concern Warning).
Die Rettungsmaßnahmen: Wie geht es weiter?
Das Management versucht intensiv gegenzusteuern:
1. Massiver Stellenabbau: Seit April 2026 werden rund 23 Prozent der Belegschaft (ca. 145 Angestellte) entlassen.
2. Kapitalbeschaffung: Verkauf von Unternehmenswerten und Neuverhandlung von Kreditklauseln.
3. M&A-Prozess: Laut Bloomberg sucht das Unternehmen aktiv nach Käufern oder Fusionspartnern.
4. B2G-Geschäft: GoPro versucht, robuste Kamerasysteme im Regierungs-, Militär- und Luftfahrtbereich (Drohnenaufklärung) zu platzieren.
Was bedeutet das für Apple-Nutzer?
Die Integration ins Apple-Ökosystem via GoPro Quik App, AirPlay-Streaming und Kurzbefehle funktioniert solide. Sollte das Unternehmen liquidiert werden oder den Betrieb einstellen, wackeln das Abo-Modell und der Cloud-Speicher.
Tipp: Wer aktuell eine GoPro nutzt und Abonnent ist, sollte seine Videodaten und Backups zeitnah lokal sichern.
Fazit: Das Ende einer Ära?
Nick Woodman hat aus einer Nähmaschine ein Milliardenunternehmen geformt und eine völlig neue Produktkategorie erschaffen. Ohne GoPro gäbe es den heutigen Action-Cam-Markt nicht.
Die Fehler waren jedoch weitreichend: Der Drohnen-Flop, fehlende langfristige Chip-Lieferverträge und das grundlegende Problem, dass Kunden eine funktionierende Action-Cam nicht jedes Jahr ersetzen müssen. Die Hero 13 ist technisch hervorragend – ob das Unternehmen dahinter in einem Jahr noch existiert, ist allerdings so ungewiss wie nie zuvor.
Quellen
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• t-online.de: GoPro droht Insolvenz – Actionkamera-Hersteller warnt die Anleger
• gagadget.de: GoPro am Rand der Insolvenz
• galaxus.at: GoPro steht vor dem Konkurs
• techbook.de: Was man über den Hersteller GoPro wissen sollte
• winfuture.de: Pleite-Gefahr wegen KI-Boom
• backcountry-expeditions.com: GoPro Hero 1 bis 12 – Übersicht
Über den Autor:
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Nichts hält länger als ein Provisorium
Ich bin – mit einer kurzen Unterbrechung, die man rückblickend wohl als meinen einzigen Fluchtversuch werten kann – seit den Pionierzeiten Teammitglied bei generation i.
Aus einer vermeintlich kurzen Aushilfe als Autor ist im Laufe der Zeit eine Dauerschleife geworden. Seitdem schreibe ich die Kolumne Reingeklickt.
Titel- und Artikelbilder mit Hilfe von KI erstellt.
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