„We own the glass": Neuer Bericht wirft LG massive Datensammlung bei Smart-TVs vor
-
Andy -
9. September 2026 um 09:41 -
15 Mal gelesen -
1 Antwort
- Was der Bericht behauptet
- „We own the glass" – die Werbebotschaft, die alles verschärft
- Die Technik dahinter: Automatic Content Recognition (ACR)
- Kein Einzelfall: LG bereits im Juli 2026 in der Kritik
- Reaktionen: „Extrem gruselig"
- Warum Fernseher überhaupt so viele Daten sammeln
- Was Besitzer eines LG-Fernsehers tun können
Was der Bericht behauptet
In einem 135-minütigen YouTube-Video mit dem Titel „216,000,000 Spy TVs – The LG Smart TV Problem" zeichnen Gamers Nexus und mehrere Sicherheitsforscher ein Bild, das über die bereits bekannte Kritik an smarten Fernsehern deutlich hinausgeht.
Der zentrale Vorwurf: LG-Fernseher überwachen nicht nur, was auf dem Bildschirm läuft, sondern das gesamte Zuhause – offenbar auch dann, wenn das Gerät ausgeschaltet erscheint oder gar nicht mit dem lokalen Netzwerk verbunden ist.
Zu den gesammelten Datenpunkten sollen laut Bericht gehören:
- Sprachaufnahmen, teilweise auch im Standby-Betrieb
- Details zu anderen Geräten im Haushalt, einschließlich Smartphones und Wearables
- Geografischer Standort
- Informationen zu in der Nähe befindlichen WLAN-Netzwerken
Hochgerechnet auf die geschätzte Zahl aktiver LG-Fernseher in den USA kommen die Autoren auf die plakative Zahl von 216 Millionen „Spionage-Fernsehern", die Daten über Millionen weiterer Geräte sammeln.
„We own the glass" – die Werbebotschaft, die alles verschärft
Besonders brisant macht die Geschichte, dass sie sich nicht nur auf technische Analysen stützt, sondern auf O-Töne von LG selbst. Im Video sind gleich drei LG-Führungskräfte zu hören, die gegenüber (potenziellen) Werbekunden Sätze wie „We own the glass" oder „we own the TV" verwenden. Ein LG-Werbepitch soll wörtlich formulieren:
Zitat„We know who's in the LG household. We know which devices are there. We know what you're exposed to on TV and we know how to extend that reach into mobile."
Damit positioniert sich LG gegenüber der Werbeindustrie explizit als Anbieter, der nicht nur das Fernsehverhalten kennt, sondern die Kampagnenreichweite gezielt auf andere Geräte im Haushalt ausdehnen kann – etwa das Smartphone der Bewohner.
Die Technik dahinter: Automatic Content Recognition (ACR)
Technische Grundlage vieler dieser Funktionen ist ACR – Automatic Content Recognition. Das Verfahren analysiert kontinuierlich, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, unabhängig davon, über welche App oder welchen Streaming-Dienst der Inhalt läuft. Die daraus gewonnenen Daten fließen laut Bericht in Profile ein, die für personalisierte Werbung genutzt werden. ACR selbst ist in der Smart-TV-Branche längst Standard und nicht LG-exklusiv – neu ist laut Gamers Nexus aber vor allem das Ausmaß, in dem LG diese Daten mit Informationen über andere Haushaltsgeräte verknüpft und vermarktet.
Kein Einzelfall: LG bereits im Juli 2026 in der Kritik
Der aktuelle Bericht ist nicht die erste Datenschutzkontroverse rund um LG in diesem Jahr. Bereits im Juli 2026 hatte Gamers Nexus aufgedeckt, dass LG-Gaming-Monitore unter Windows offenbar ohne klare Zustimmung zusätzliche Software installierten – darunter den „LG Monitor App Installer" mit weitreichenden Systemrechten sowie McAfee Scam Detector, das in der Vergangenheit häufig als unerwünschte Bloatware kritisiert wurde.
Parallel dazu sorgte eine neue Klausel in LGs Nutzungsbedingungen für Aufsehen: Abschnitt 6(d), „Voice Recognition and Privacy Compliance", verpflichtet Nutzer, Gäste und Familienmitglieder aktiv darüber zu informieren, dass ihre Stimmen vom Gerät erfasst und verarbeitet werden könnten – inklusive des Hinweises, dass dies zur Einhaltung von Abhör- und Datenschutzgesetzen erforderlich sei. Wer dem nicht zustimmt, muss laut den Bedingungen sämtliche mikrofon- und sprachbezogenen Funktionen am Fernseher deaktivieren.
LG reagierte damals mit einem Statement gegenüber TechRadar und bestritt, dass Umgebungsgespräche aufgezeichnet oder gespeichert würden. Auch zur automatischen Installation von McAfee erklärte das Unternehmen, dies geschehe ausschließlich mit ausdrücklicher Nutzerzustimmung über den offiziellen Windows-Verteilungsprozess von Microsoft.
Reaktionen: „Extrem gruselig"
Die Online-Reaktionen auf den neuen Bericht fallen entsprechend deutlich aus. Auf Reddit häufen sich Kommentare wie „Jedes Gerät in meinem Haus ist von LG… ich werde nie wieder ein LG-Produkt kaufen" oder „Wenn ich ein Produkt kaufe, gehört es mir – die 'besitzen' nicht den Bildschirm oder sonst irgendwas mehr." Ein weiterer Nutzer bringt die Stimmung knapp auf den Punkt: „Es ist extrem gruselig."
Gamers Nexus selbst weist am Ende des Videos darauf hin, dass vergleichbares Verhalten wahrscheinlich auch bei anderen TV-Herstellern zu finden sei – LG stehe hier stellvertretend für ein branchenweites Problem. Sinngemäß formulieren sie: Wer Überwachungskameras im eigenen Wohnzimmer haben wolle, bekomme mit dieser Art von Smart-TV-Datensammlung genau das.
Warum Fernseher überhaupt so viele Daten sammeln
Der Hintergrund ist letztlich ökonomischer Natur. Die Gewinnmargen bei TV-Hardware sind traditionell sehr gering, weshalb Hersteller zunehmend auf Werbe- und Datengeschäfte als zusätzliche Einnahmequelle setzen. Kritisch wird dies dort, wo entsprechende Änderungen an der Datennutzung in aktualisierten AGB oder Datenschutzrichtlinien versteckt werden, die kaum jemand liest, statt aktiv und transparent eingeholt zu werden.
TechRadar hat LG um eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen gebeten; eine Antwort des Unternehmens steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch aus.
Was Besitzer eines LG-Fernsehers tun können
Auch ohne offizielle Stellungnahme lassen sich einige grundsätzliche Schritte empfehlen, um die Datensammlung zumindest einzuschränken:
- ACR-Funktion in den TV-Einstellungen deaktivieren (oft unter „Nutzungsdaten" oder „Live-Plus"/„AI-Empfehlungen" zu finden)
- Sprachassistenz und Mikrofon-Funktionen abschalten, sofern nicht benötigt
- Den Fernseher wo möglich vom Internet trennen bzw. nur über einen separaten, isolierten Netzwerkbereich betreiben
- Regelmäßig die Datenschutzeinstellungen und AGB-Updates prüfen, da sich Berechtigungen mit Firmware-Updates ändern können
Quellen:
Titel- und Artikelbilder mit Hilfe von KI erstellt.
Über den Autor
Ich habe generation i mit ins Leben gerufen, um Technik mit Verstand zu begleiten.
Apple-Fan? Definitiv. Aber immer mit dem kritischen Blick eines Gründers, dem Substanz wichtiger ist als jeder Hype.
Ich sorge für den richtigen Rhythmus zwischen Innovation und echtem Nutzen.
Antworten 1