Anno 2019 wollte ich die Verdunklung unserer Fenster in die Heimautomation integrieren, aber ich fand damals keine smarten Innenrollos, die sich nativ in Homekit einbinden ließen. Allerdings gab es Motoren, die per Funk über 433 MHz gesteuert wurden. Ich hatte gerade eine IR-Bridge namens BroadLink in Betrieb genommen, welche nicht nur infrarote Fernbedienungen ablösen konnte, sondern auch in der Lage war, Funksignale auf 433 MHz zu senden. Allerlei Steuer-Codes lassen sich damit aufzeichnen und bei Bedarf wiedergeben, nur bei wechselnden Sequenzen (Rolling Codes) funktioniert das nicht. Die meisten Fernbedienungen sind aber ohne dieses Sicherheitsmerkmal, also nur mit statischer Kodierung ausgestattet. Für fernsteuerbare Antriebe von Innenrollos wurde ich bei SIRO fündig und kaufte drei Rohrmotoren ERB15-LE zu je 80 €. Das Anlernen der Bridge gestaltete sich mit den 433 MHz Funksignalen deutlich schwieriger, als bei IR-Fernbedienungen. Schließlich aber funktionierte es, und das Broadlink-Kästchen verrichtete via Homebridge jahrelang seinen Dienst in meiner Homekit-Installation u.a. auch als Rollo-Controller. Da aber der Rückkanal fehlte, konnte der Gerätestatus vom Homebridge-Plugin nur geschätzt werden - von Meldungen zum Akkufüllstand ganz zu schweigen. Geladen wurden die Motoren per USB-Kabel. Der Anschluss war auf der Platine im Motorgehäuse aufgelötet und bei einem ungeduldigen Versuch den Micro-B-Stecker im Dunkeln in der falschen Orientierung da hineinzubekommen brach die Buchse ab. Es kostete einige Mühe an die fisseligen SMD-Pads ein Kabel anzulöten, um den Motor wieder in Betrieb nehmen zu können. Nachdem ich den Aufbau von innen gesehen hatte, war klar: Auch bei vorsichtigem Einstecken würden die Buchsen der anderen beiden Rollos irgendwann an ihren winzigen Lötpunkten nachgeben. Soweit sollte es aber nicht kommen, denn vor wenigen Wochen ließ sich ein Rollo gar nicht mehr ansprechen, nicht einmal von der ursprünglich mitgelieferten Fernbedienung. Bei einer späteren Obduktion stellte sich heraus, dass nicht die Elektronik, sondern der Motor selbst defekt war. Was also tun? Die LAG fing an zu maulen, der WAF geriet in Wanken, da Licht von außen am Schlaf der Liebsten rührte.
Ersatz musste her, bestenfalls via Thread und Matter, was auch die anstehende Transformation von Apple Home zu Home Assistant vereinfachen würde. Bei AliExzess fand sich ein Antrieb von Zemismart der beides versprach: Der MT16B passt zudem in 25er Rohre, kostet ca. 60 €. Zum Ausprobieren hatte ich erst mal nur einen Motor bestellt zzgl. einer Fernbedienung, die man zum Konfigurieren benötigt. Letztere gibt es in zwei Ausführungen. Es empfiehlt sich, das nur unwesentlich teurere Modell mit dem Display und der magnetischen Halterung zu nehmen. Die Rollos lassen sich damit einzeln (Single Mode) oder als Gruppe (Multi Mode) per Hand bedienen, wenn die Heimautomation mal streiken sollte. Es galt lediglich, der Fernbedienung zu verklickern, daß sie es mit drei Rollos zu tun haben wird. (+ lange drücken, dann mit + oder - die benötigte Anzahl wählen und + nochmal lange drücken).
Mechanisch war der Wechsel des Antriebs schnell vollzogen, dann wurde es spannend: Ladezeit nur 7 Minuten, der Akku stand also mit Auslieferung gut im Futter.
Zum Koppeln stellt man die Fernbedienung in den Single Mode und wählt die Kanalzahl, unter der das Rollo ansprechbar sein soll: hier also die 1
Am Motor drückt man die SET-Taste (ein kleiner Gummi-Gnubbel) für ca. 5 Sekunden, der Motor erwacht aus seinem Lieferzustand und ruckt einmal in beide Richtungen. Jetzt drückt man die SET-Taste noch einmal kurz, die LED blinkt einmal grün. Sodann drückt man die Stop-Taste der Fernbedienung: Der Motor signalisiert mit einem Rucken, daß er erfolgreich gekoppelt wurde. Das Rollo ist jetzt über die Fernbedienung steuerbar. Jetzt klärt man die Frage nach der Drehrichtung. Je nachdem, ob der Antrieb rechts oder links in das Rohr eingeschoben wurde, stimmt sie mit der Richtung von "open" und "close" überein, oder auch nicht. Gewechselt werden kann die Drehrichtung am Motor direkt mit der SET-Taste (fünfmal kurz drücken) oder per Fernbedienung (Open und Close gleichzeitig so lange drücken, bis der Motor ruckt und danach auf die Stop-Taste und schließlich auf Open - der Motor quittiert mit einem erneuten Rucken). Auch die Geschwindigkeit kann man ändern, ich lasse sie aber beim Default-Wert von 33 U/min. Die Antenne ist ein relativ langer, flexibler Draht von über 20cm. Den legt man besser irgendwie fest, damit er sich nicht mit einwickelt. Jetzt geht es an die Festlegung der Stop-Punkte.
Für das untere Limit fährt man das Rollo an diese Position, drückt Open und Close gleichzeitig so lange, bis der Motor ruckt, danach fünfmal auf Stop und anschließend auf Close. Der Motor quittiert mit einem Rucken und die untere Position ist damit festgelegt.
Für das obere Limit verfährt man ähnlich: Das Rollo an diese Position fahren, Open und Close gleichzeitig drücken, bis der Motor ruckt, danach fünfmal auf Stop und anschließend auf Open. Wieder bestätigt der Antrieb per Rucken, womit die obere Position festgelegt ist.
Zu allem Überfluss kann auch die Mitte noch definiert werden: Man fährt das Rollo an diese Position, drückt Open und Close gleichzeitig, bis der Motor ruckt, danach nur einmal auf Stop und anschließend auf Close. Der Motor quittiert mit einem Rucken die Festlegung der mittleren Position.
Für das Löschen der Positionsfestlegungen und das Entkoppeln gibt es ähnliche Tastenkombinationen.
Was letztlich noch fehlt, ist die Einbindung in Apple Home bzw. Home Assistant. Hierzu drückt man den Setting-Gnubbel am Antrieb dreimal kurz hintereinander, die LED blinkt nun grün und das Matter-Gerät kann integriert werden.
Habe jetzt alle Motoren getauscht, somit drei dieser Zemismart-Antriebe hier laufen und bin bislang zufrieden. Die Unsitte, Buchsen nicht mehr am Gehäuse zu befestigen, sondern nur noch aufzulöten ist mittlerweile endemisch, aber immerhin ist der USB-C-Anschluss etwas weniger fummelig und in sich stabiler, als es die leidigen Micro-USB-Buchsen der SIRO-Antriebe waren.
cu/nately