KI-Blase? Branche bräuchte bis 2031 jährlich 6 Billionen Dollar Umsatz und hat davon nicht einmal ein Drittel in Sicht
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Andy -
2. Oktober 2026 um 09:41 -
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Erste Risse im Fundament
Wie fragil das System ist, zeigte sich am 24. September 2026. Oracle schickte eine Force-Majeure-Mitteilung an Stack Infrastructure, eine Tochter des Fondsmanagers Blue Owl. Anlass war das Rechenzentrumsprojekt „Jupiter“ in New Mexico. Oracle will damit Zahlungen aufschieben können, falls das Rechenzentrum nicht wie geplant 2028 ans Netz geht. Grund sind offenbar Probleme bei der Stromversorgung.
Oracle betont, das Projekt liege im Zeitplan. Die Märkte sahen das anders. Die Oracle-Aktie fiel um 3,5 Prozent, Blue Owl um 3,6 Prozent. Die rund 18 Milliarden Dollar an Bankkrediten für das Projekt notieren unter 90 Cent pro Dollar. So bewertet man keine sichere Infrastrukturfinanzierung.
Die Absicherung kommt nicht von ungefähr. Oracle verzeichnete fünf Quartale in Folge einen negativen Free Cashflow und verbrannte dabei 29,1 Milliarden Dollar. Die Preise für Kreditausfallversicherungen auf Oracle erreichten am 25. September ein Rekordhoch.
Dazu kommt Widerstand vor Ort: Im zweiten Quartal 2026 stießen mindestens 45 Rechenzentrumsprojekte im Wert von 68 Milliarden Dollar auf Proteste aus der Bevölkerung.
Bain rechnet nach – und die Rechnung geht nicht auf
Wie groß die Lücke zwischen Investitionen und Erträgen ist, zeigt der am 29. September veröffentlichte Global Technology Report von Bain & Company. Die jährlichen Ausgaben für KI-Infrastruktur könnten bis 2031 auf bis zu 1,5 Billionen Dollar steigen. Bain unterstellt, dass Investitionen dauerhaft etwa ein Viertel des Umsatzes ausmachen. Dann müsste die Branche rund 6 Billionen Dollar pro Jahr erwirtschaften.
Mit dem, was es heute gibt, ist das nicht zu schaffen. Consumer-KI aus Abos und Werbung soll 2031 lediglich 200 bis 400 Milliarden Dollar einbringen. Inklusive Unternehmensanwendungen kommt Bain auf 1,2 bis 1,8 Billionen Dollar. Selbst im günstigsten Fall fehlen also rund 4,2 Billionen Dollar Umsatz pro Jahr. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was bestehende KI-Produkte im besten Fall erwirtschaften.
Hoffnung auf Produkte, die es noch nicht gibt
Woher das Geld kommen soll, beantwortet Bain vor allem mit Hoffnung:
- KI-Modelle, die Suchmaschinen ersetzen und Werbung schalten
- autonome Autos, Lkw und Drohnen
- Robotik und digitale Zwillinge
- schließlich Produkte, die es heute schlicht noch nicht gibt – etwa in der Medikamentenforschung, bei mentaler Gesundheit oder in der Energieerzeugung
Die Branche wettet also auf Märkte, deren Existenz noch nicht bewiesen ist.
Auch Bain-Technologiechef David Crawford redet die Lage nicht schön. Die Infrastruktur werde weit vor der Nachfrage gebaut. Nötig sei eine Innovationswelle, die noch größer ausfallen müsse als die durch Smartphones und Cloud-Dienste. Dass Mitarbeiter mit KI effizienter arbeiten, reiche nicht: Die Branche brauche völlig neue Produkte, für die Kunden zusätzlich Geld ausgeben.
Für eine nachhaltige Finanzierung müsste KI das globale Wirtschaftswachstum dauerhaft um rund einen Prozentpunkt anheben, also von derzeit etwa 3 auf rund 4 Prozent pro Jahr. Das wäre ein Effekt, wie ihn kaum eine Technologie zuvor erreicht hat.
Anders gesagt: Die Branche hat sich festgelegt, bevor klar ist, ob die Nachfrage folgt. Geht die Wette nicht auf, tragen nicht nur die Tech-Konzerne das Risiko, sondern auch Banken, Fonds und deren Anleger.
Quelle:
Artikelbild mit Hilfe von KI erstellt.
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