Home Assistant 2026.10: Neue Karte, Trigger-IDs für alle und KI-Anbindung per Klick
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Andy -
9. Oktober 2026 um 10:00 -
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Eine ganz neue Karte
Die Vorgeschichte ist unschön: Mit Version 2026.9 brachen sämtliche Karten in Home Assistant auf einen Schlag, weil der bisherige Kartenanbieter plötzlich einen API-Schlüssel verlangte und einen entsprechenden Hinweis über die Kartenbilder legte. Statt sich den nächsten kostenlosen Kachel-Anbieter zu suchen, ist das Team auf Vektorkacheln umgestiegen, die von der OpenStreetMap Foundation erzeugt und ausgeliefert werden.
Der Unterschied: Statt vorgerenderter Bilder zeichnet jetzt das Endgerät die Karte selbst. Straßen und Beschriftungen bleiben bei jeder Zoomstufe scharf, das Zoomen läuft flüssig, und es gibt einen eigenen Dark-Mode-Stil. Datenschutzfreundlich ist das Ganze auch: Die neue Integration Map tiles lädt und cached die Kacheln über die eigene Home-Assistant-Instanz, der Browser kontaktiert also keine externen Kachel-Server direkt. Zuletzt angesehene Kartenausschnitte bleiben bei kurzen Internetausfällen verfügbar. Ältere Geräte, die keine Vektorkarten darstellen können, fallen automatisch auf die klassische Karte zurück.
Auch die Markierungen wurden neu gestaltet:
- Personen erscheinen mit ihrem Profilbild.
- Zonen bekommen eine Markierung mit eigenem Icon in ihrer Farbe.
- Mehrere Personen in derselben Zone teilen sich eine gemeinsame Blase, statt sich zu überlagern. Beim Herauszoomen verschmelzen überlappende Blasen.
Das Karten-Dashboard erhält außerdem eine Übersicht mit den Reitern Personen, Geräte und Zonen – auf dem Desktop neben der Karte, auf dem Smartphone als hochziehbares Panel. Wählt man eine Person aus, sieht man ihren jüngsten Verlauf, jede Station eingefärbt nach der jeweiligen Zone. Auf dem Smartphone füllt die Karte nun den gesamten Bildschirm. Der Zoneneditor unter Einstellungen > Bereiche, Labels & Zonen nutzt dieselbe neue Karte und sortiert die Zonen alphabetisch, mit „Zuhause“ stets ganz oben.
Trigger-IDs: Das beste Feature, das kaum jemand nutzte
Wer seine Automationen durchsieht, findet oft Paare: Eine schaltet das Flurlicht bei Bewegung ein, die andere bei ausbleibender Bewegung wieder aus. Eine meldet den Start der Waschmaschine, die andere das Ende. Zwei Automationen für eine Aufgabe.
Seit Jahren lässt sich das eigentlich zusammenfassen: Jeder Auslöser bekommt eine ID, und die Bedingung „Ausgelöst durch“ entscheidet, welcher Zweig ausgeführt wird. Das Problem: Das ID-Feld war im Menü jedes Auslösers versteckt, man musste sich die IDs selbst ausdenken und später merken, welche zu welchem Auslöser gehört. Die Entwickler räumen selbst ein, dass die meisten Nutzer die Funktion schlicht nie gefunden haben.
Ab 2026.10 hakt man in der Bedingung „Ausgelöst durch“ einfach die gewünschten Auslöser an. Angezeigt werden die Auslöser selbst, durchnummeriert nach ihrer Position in der Liste – dieselbe Nummer steht auch neben dem Auslöser. Die IDs vergibt Home Assistant im Hintergrund und räumt sie auf, wenn ein Auslöser gelöscht wird. Das separate Trigger-ID-Feld verschwindet dafür aus dem Editor.
Wer IDs in YAML selbst pflegt, muss nichts ändern: Bestehende IDs funktionieren weiter, auch eine gemeinsame ID für mehrere Auslöser bleibt erlaubt. Der Editor weist lediglich auf Bedingungen hin, die auf nicht mehr existierende Auslöser verweisen, und bietet bei doppelt vergebenen IDs eine optionale „Beheben“-Funktion an.
Zusätzlich zeigen Auslöser, Bedingungen und Aktionen jetzt schon in der eingeklappten Zeile die wichtigsten Details: Schwellenwerte wie „über 10 °C“, Mindestdauern, den Versatz zu Sonnenauf- oder -untergang und die Timeout-Zeit von Warte-Aktionen. Auch die Automations-Traces wurden optisch an den Editor angeglichen.
Aufgeräumtes Profil, klügere Dashboards
Die Benutzerprofil-Seite war über die Jahre zur Rumpelkammer geworden: Sprache, Theme, Datumsformate, Seitenleisten-Reihenfolge, Push-Benachrichtigungen und Tastenkürzel stapelten sich in einem langen Reiter „Allgemein“. Jetzt ist die Seite wie die Einstellungen aufgebaut – mit Kontokarte, Theme und den Bereichen Darstellung, Lokalisierung, „Dieser Browser“ (bzw. „Diese mobile App“) und Sicherheit. Entfernt wurde nichts, nur neu sortiert.
Neu ist der Button „Profil bearbeiten“: Jeder Nutzer – nicht mehr nur Administratoren – kann nun selbst Name und Profilbild ändern, inklusive Zuschneiden. Der Name gilt für Benutzer und verknüpfte Person gleichermaßen, also auch im Sprachassistenten Assist.
Bei den Dashboards bietet der Reiter „Sichtbarkeit“ von Karten, Badges und Abschnitten nun dieselben Bedingungen wie der Automationseditor, darunter Template, Sonne, Zone und Gerät. Sie lassen sich frei mit dashboard-spezifischen Bedingungen wie Bildschirm und Benutzer kombinieren – etwa: Gartenlicht-Karte nur nach Sonnenuntergang und nur auf dem Smartphone. Praktisch: Oben im Reiter steht, ob die Karte gerade sichtbar ist, und jede Bedingung zeigt, ob sie aktuell erfüllt ist.
Weitere Neuerungen im Überblick:
- KI per Klick anbinden: Die Seite Einstellungen > System > „KI“ (vormals „KI-Aufgaben“) hat eine Karte für das Model Context Protocol. Ein Klick aktiviert den MCP-Server, die Karte listet die URLs zum Kopieren für Apps wie Claude, ChatGPT oder Cursor. Neue Einrichtungen geben standardmäßig alles frei, erlauben aber nur Administratorkonten den Zugriff. Umgekehrt werden externe MCP-Server nun automatisch erkannt. KNX-Nutzer bekommen eigene KI-Werkzeuge, um ETS-Projekte, Gruppenadressen und Telegramm-Verläufe abzufragen.
- Modbus-Panel: Unter Einstellungen > Konnektivität listet ein neues Panel alle Modbus-Verbindungen samt Geräten und nutzenden Integrationen – auch solche aus YAML.
- Timer auf Kacheln: Tile-Karten können Timer starten, pausieren und abbrechen sowie per Voreinstellung mit festen Laufzeiten starten.
- Gerätename für Entitäten: Ein Schalter „Gerätenamen verwenden“ lässt eine Entität einfach wie ihr Gerät heißen – Schluss mit „Rauchmelder Rauch erkannt“.
- Warnungen im Home-Dashboard: Die in 2026.9 eingeführten Warnungen des Sicherheits-Dashboards (offene Tür, auslösender Rauchmelder) erscheinen nun auch im Home-Dashboard.
- Template-Thermostate: Template-Entitäten können jetzt Klima-Entitäten sein – nützlich, wenn eine Wärmepumpe nur als lose Sammlung von Schaltern und Sensoren eingebunden ist.
- Kleinigkeiten mit Wirkung: Passwortmanager (inklusive Firefox) füllen die Anmeldeseite wieder aus, YAML-Fehler schlagen Korrekturen vor („meintest du command_topic?“), und Tabellen zeigen beim Laden Platzhalter statt einer irreführend leeren Liste.
Integrationen: Viel für Apple-Nutzer und den DACH-Raum
Für Apple-Nutzer ist diesmal besonders die erweiterte Apple-iCloud-Integration interessant: Sie holt iCloud-Kalender und Erinnerungen in Home Assistant. Jeder Kalender wird zur Kalender-Entität, jede Erinnerungsliste zur To-do-Liste – Einträge lassen sich anlegen, abhaken und löschen und synchronisieren zurück auf die Apple-Geräte. Die HomeKit Bridge kann Ventil-Entitäten jetzt in der Home-App als Wasserhahn, Duschkopf oder Rasensprenger darstellen. Und LIFX-Lampen, die per Thread angebunden sind, werden nun ebenfalls unterstützt.
Von den 15 neuen Integrationen sind einige für Leser im deutschsprachigen Raum direkt relevant:
Außerdem neu: Axle Energy, Bitvis Power Hub, INDI Allsky, Persang Infrared, Sunsynk, Vitesy, Willow und Zonneplan. Der Volkszähler lässt sich jetzt über die Oberfläche statt per YAML einrichten.
Bei den bestehenden Integrationen stechen hervor:
- Matter: Schalter für optische und akustische Alarme unterstützter Wassermelder wie IKEAs KLIPPBOK sowie ein Schalter für „One-Touch-Locking“ an Schlössern. Leistungsmessende Geräte melden zusätzlich Frequenz und Leistungsfaktor.
- Bosch Smart Home (SHC): Großes Update mit Rollläden und Markisen über Mikromodule, Kindersicherungen, Ventilstellung der Thermostate und einem Sensor, der offene Fenster und Türen zählt.
- ESPHome: Geräte können die Verbindung zu Home Assistant jetzt selbst aufbauen (Option outgoing_connection) – hilfreich, wenn Home Assistant sie nicht direkt erreicht.
- Philips Hue: Schalter für MotionAware-Zonen und eine Szenen-Auswahl pro Raum oder Zone.
- STIEBEL ELTRON: Teilt seine Verbindung nun über die zentrale Modbus-Integration.
- Proxmox VE: Update-Entitäten zeigen verfügbare Pakete an; installieren lassen sie sich aus Home Assistant aber noch nicht.
Beim Qualitätsraster erreichen elf Integrationen Platin, vier Gold – darunter WattWächter Plus.
Aus Cloud wird Link
Nicht Teil dieses Updates, aber angekündigt: Nabu Casa will Home Assistant Cloud in Home Assistant Link umbenennen. Der Dienst bleibt derselbe, nur der Name ändert sich. Die Begründung: Große Tech-Konzerne hätten den Begriff „Cloud“ verbrannt, indem sie funktionierende Smart-Home-Geräte von Online-Diensten abhängig machten. Der eigene Dienst habe niemanden eingesperrt, keine Daten gesammelt und keine Geräte zu Elektroschrott gemacht. Die Umstellung ist für das Dezember-Release geplant; bis dahin bittet das Team um Feedback.
Technisch hat sich beim Fernzugriff ebenfalls etwas getan: Nabu Casa hat seine Server auf Bare Metal umgezogen und die weltweite Abdeckung erweitert. Neu ist ein Latenz-Check, der beim Start mehrere Server anpingt und automatisch die schnellste Verbindung wählt.
Vor dem Update beachten
Wie immer gibt es inkompatible Änderungen. Die wichtigsten:
- Benutzernamen: Der alte Legacy-Modus der Authentifizierung entfällt. Benutzernamen werden nur noch normalisiert verarbeitet – kleingeschrieben, ohne Leerzeichen am Anfang oder Ende. Wer eine entsprechende Reparaturmeldung gesehen hat, sollte die betroffenen Namen anpassen.
- MQTT und Synology DSM: mqtt.publish, mqtt.dump sowie synology_dsm.reboot und synology_dsm.shutdown erfordern jetzt ein Administratorkonto, wenn ein Nutzer sie selbst auslöst, etwa per Dashboard-Button. Automationen, die über ihren eigenen Auslöser laufen, sind nicht betroffen.
- Zustandsbedingungen: Kombinationen aus for mit Attribut, Zustandsliste oder dem Zustand einer anderen Entität schlagen jetzt bei der Validierung fehl, statt stillschweigend nicht wie erwartet zu funktionieren.
- Proxmox VE: Der Uptime-Sensor liefert jetzt einen Zeitstempel statt Sekunden.
- Telegram-Bot: Ein eigenes directory_path bei telegram_bot.download_file muss in allowlist_external_dirs stehen.
- Mealie: Version 3.2 oder neuer ist Pflicht.
Entfernt wurden unter anderem SolarEdge Local, Sigfox, Etherscan, Travis-CI, Dublin Bus, Melnor RainCloud und Zestimate – allesamt Integrationen, deren zugrunde liegende Dienste längst abgeschaltet sind. Für SolarEdge bietet sich als lokale Alternative die neue SolarEdge-Modbus-Integration an. Linode und Tank Utility sind deaktiviert, weil ihre Python-Bibliotheken seit Jahren nicht mehr gepflegt werden.
Fazit
Home Assistant 2026.10 ist ein Release mit Substanz, das alte Ärgernisse aufräumt: Die Karte ist nach dem Ausfall im September nicht nur repariert, sondern deutlich besser und datensparsamer. Die neue Trigger-ID-Oberfläche dürfte viele Nutzer dazu bringen, doppelte Automationen endlich zusammenzulegen. Und mit iCloud-Kalendern, Erinnerungen und Threema bekommen gerade Apple-Nutzer und datenschutzbewusste Anwender im DACH-Raum nützliche Werkzeuge. Vor dem Update lohnt trotzdem ein Blick auf die Breaking Changes – vor allem für alle, die MQTT-Aktionen über Nicht-Admin-Konten auslösen.
Quelle:
- HomeAssistant Blog
https://www.home-assistant.io/blog/2026/10/07/release-202610/
Artikelbild mit Hilfe von KI erstellt.
Über den Autor
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Ich sorge für den richtigen Rhythmus zwischen Innovation und echtem Nutzen.