Naja, wenn man in der EU etwas bauen will, macht man eine Ausschreibung und nennt die Dinge, die man will - und das sollte so präzise wie möglich erfolgen. Das ergibt schon auch Sinn. Die Mehrkosten jetzt auf europäische Ausschreibungen zu schieben, halte ich für falsch. Wenn man z.B. sagt, man will „Dachlatte S10 mit 40x60“ ist das etwas anderes als „Dachlatte mit 40x60“ und vor Baubeginn sagt man dem Zimmerer, dass es der Standard sein muss. Man gibt die Sachen präzise an, dann hat jeder eine Grundlage für die Kalkulation und wenn die Dachlatte aus Österreich günstiger ist, wird diese genommen - technisch ist es die gleiche.
Dann gibt es auch: Die hochgelobten deutschen Vorzeigeunternehmen erhalten den Zuschlag. Deren Mitarbeiter werden aber nie auf den Baustellen sein - dort arbeiten Subunternehmen, weil man selbst gerade keine Kapazitäten hat. Oft mit irgendwelchen Tricks und der Mindestlohn ist uninteressant, sind ja alles „eigenständige Ein-Mann-Firmen“.
Welche Firmen sind bei den Bauarbeiten bei Stuttgart 21 beteiligt?
Aber wenn man sich überlegt, dass z.B. 2009 schon 6,5 Milliarden als realistische Kosten genannt wurden - ein Hr. Oettinger die Kosten aber nicht neu berechnen ließ, weil das in der Öffentlichkeit schwer zu kommunizieren sei? (SPON)
Wenn ich von vielen Gründen für die Mehrkosten lese, sehe ich oft Sachen wie „Tunnel werden teurer weil anderer Stein durchbohrt werden muss“ o.ä.. Ja, macht Sinn und verstehe ich. Was ich nicht verstehe: Da waren Millionen (oder auch hier schon Milliarde(n)?) vorab in die Planung usw. geflossen. Aber sowas sieht man nicht? Bodengutachten usw. sollten das vorab klären. Demonstrationen und Bürgerbegehren verzögern den Bau - und dann können die Kosten nicht mehr eingehalten werden. Ja, dann sollte das verboten werden. Sobald der Bauantrag genehmigt ist, kann sich Hinz und Kunz auf die Hinterbeine stellen und „Ja aber der kleine Lurch, der da in der Wiese lebt!“ rufen - der Bau beginnt trotzdem.
Wie gesagt, ich verstehe, wenn etwas teurer wird. Aber hier spricht man von einem Projekt über Jahrzehnte. Und hat wohl von Beginn an mit komplett falschen Grundlagen geplant. Eigentlich ein Desaster. Für viele. Andere haben dafür gutes Geld für ihre Arbeit bekommen.
Diesen Artikel finde ich aber dennoch auch interessant, wirft er auch ein Auge auf „Bahnhofsbau“ und die „Bahnhofssteuerung“. Durch die lange Zeit von Planungsbeginn zu Bau änderten sich viele Sachen, die eben niemand so auf dem Schirm hatte.
Oh. Ich war zu langsam, Angerhome hat schon Punkte vorweg genommen…