Ist es „Zwischen den Threads“ Zeit? Eigentlich nicht, aber sei's drum: "Fünfzig Jahre Garage: Der SWR erzählt die Apple-Geschichte neu."
-
Holger -
26. März 2026 um 09:41 -
174 Mal gelesen -
19 Antworten
Das Jubiläum der Garagen-Götter
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Fünfzig Jahre. Am 1. April wird Apple ein halbes Jahrhundert alt. Wer hätte 1976 gedacht, dass aus ein paar gelöteten Platinen in einer kalifornischen Garage ein Imperium wird, das heute fast schon religiöse Züge trägt? Der SWR hat sich pünktlich zum Jubiläum an eine dreiteilige Dokuserie gewagt: „Die Apple-Story – Eine Vision verführt die Welt”.
Der Titel ist natürlich typisch Fernsehen – ein bisschen dick aufgetragen, wie eine Sauce, bei der man es mit dem Reduzieren übertrieben hat. Aber wenn man den Vorhang aus Marketing-Sprech beiseite schiebt, bleibt eine Geschichte, die uns schon seit Jahren begleitet. Es geht um den Weg von der Gegenkultur zum absoluten Mainstream.
Wir kennen die Stationen alle auswendig, oder? Der Macintosh-Launch, dieser fast schon manische Steve Jobs, sein Rauswurf, die Wanderjahre bei NeXT und Pixar und schließlich die triumphale Rückkehr, die uns das iPhone bescherte. Es ist die klassische Heldenreise, nur dass der Held zwischendurch ziemlich anstrengend war.
Ein Hauch von Schwarzwald in Cupertino
Was ich an der Doku spannend finde – und das ist ein Punkt, den wir immer wieder mal streifen (zumindest ich) – ist der deutsche Einschlag. Wir neigen ja dazu, Innovation immer nur im Silicon Valley zu vermuten, während wir hier in Deutschland angeblich nur verwalten.
Aber da ist zum Beispiel Hartmut Esslinger. Ein Typ aus dem Schwarzwald, der mit seiner Agentur frog design die „Snow White”-Designsprache für Apple entworfen hat. Das klare, weiße Gehäuse, die feinen Linien – das kam nicht aus Kalifornien, das kam aus deutschen Köpfen. Oder Erik Spiekermann, der Typograph, dessen Schriften wir heute noch lesen, ohne es zu merken.
Es ist diese spezielle Form von Präzision, die Apple groß gemacht hat. Ein bisschen wie bei einer guten Bouillabaisse: Man braucht die Frische des Meeres aus Marseille, aber die Technik, wie man den Fisch filetiert, die muss sitzen, sonst hast du am Ende nur eine trübe Suppe. Ich erinnere mich da an eine Geschichte aus meiner Zeit in einer kleinen Agentur in Altona – wir haben Tage damit verbracht, den richtigen Weißraum um ein Logo zu finden. Apple hat dieses Gefühl für Details zur Weltreligion erhoben.
Von Fahrrädern und Geistern
Daniel Kottke kommt in der Doku zu Wort, ein alter Weggefährte von Jobs, und Andy Cunningham. Letztere wurde wohl fünfmal von Jobs gefeuert. Fünfmal! Das zeugt entweder von einer enormen Leidensfähigkeit oder einer sehr speziellen Form von Loyalität. Oder vielleicht von beidem.
Jobs nannte den Computer ein „Fahrrad für den Geist“. Ein schönes Bild, finde ich. Es suggeriert Leichtigkeit und Effizienz, ohne den Menschen zu ersetzen. In den USA hat das sofort gezündet. Hier bei uns, im eher bedächtigen Europa, war man skeptisch. Skepsis ist ja per se nichts Schlechtes – wir Hamburger nennen das „Butter bei die Fische“. Man will erst mal sehen, ob das Ding auch hält, was es verspricht, bevor man applaudiert.
In unseren Diskussionen hier bei uns merke ich das auch oft. Wir hinterfragen die Keynotes, wir zerlegen die Specs, wir lassen uns nicht so leicht von polierten Oberflächen blenden. Und das ist gut so. Die Doku verspricht, auch die Schattenseiten zu beleuchten. Ich bin gespannt, ob sie über das übliche „Die Arbeitsbedingungen in China sind schwierig“ hinausgeht und wirklich in die Tiefe der Systemgeschlossenheit eintaucht, die uns heute alle ein bisschen gefangen hält.
Wo und Wann?
Falls du heute Abend noch nichts vorhast und dein Smart Home dich lässt: Alle drei Teile stehen seit heute, dem 26. März 2026 in der ARD Mediathek. Wer es klassisch mag: Die erste Folge läuft am 30. März um 23:30 Uhr im Ersten. Eine Koproduktion von SWR, NDR und HR – also auch ein ordentlicher Schuss Norddeutschland ist dabei.
Es ist ein Rückblick auf eine Zeit, in der Technik noch ein Abenteuer war und kein Lifestyle-Accessoire. Manchmal wünsche ich mir dieses „Garagen-Gefühl“ zurück, diesen Geist des Ausprobierens, den wir hier bei uns in der Community pflegen, wenn wir mal wieder versuchen, ein altes Gerät mit einer neuen Idee zu verknüpfen.
Am Ende ist Apple vielleicht wie ein guter Wein: Er wird älter, er wird teurer, und manche behaupten, er schmeckt nur noch denjenigen, die sich den Namen auf dem Etikett leisten wollen. Aber die Geschichte dahinter, die bleibt spannend.
Ich werde mir das anschauen. Vielleicht mit einem Glas Rotwein, ganz ohne Hektik. Und wer weiß, vielleicht entdecke ich zwischen den Bildern von Hartmut Esslingers Entwürfen und Andy Cunninghams Anekdoten noch ein Detail, das wir hier bei uns noch nicht besprochen haben.
Wir lesen uns im Forum. Pass auf dich auf.
Synthography by me
Quelle: 50 Jahre Apple – Steve Jobs und die digitale Revolution
PS: Klick auf den Link bei „Fahrrad für den Geist“. Ist ein sehr kurzes Video. Das Video ist alt. Aber in dem gerade blühenden „KI-Zeitalter“ hat es für mich erneut gezeigt, was Steve Jobs war. Ein Visionär. Punkt.
Über den Autor
Holger ist seit Ende des letzten Jahrtausends in der IT-Branche tätig. Er bezeichnet sich selbst als:
Apple-Enthusiast.
Hobbykoch.
Nordlicht.
Mehr Artikel von diesem Autor...
Antworten 19