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Zwischen den Threads: KW07 "Heute wird's nischig"

  • Holger
  • 15. Februar 2026 um 08:15
  • 149 Mal gelesen
  • 7 Antworten
Es gibt Tage, da sitzt man in der Küche, starrt auf das neueste Gadget auf der Arbeitsplatte und fragt sich, ob man eigentlich noch ganz bei Trost ist. Wir kennen das alle hier bei uns im Forum: Dieser Moment, in dem die Vernunft leise „Nein“ flüstert, aber der Zeigefinger auf dem „Bestellen“-Button bereits Fakten geschaffen hat.

Heute soll es um ein Nischenprodukt gehen, das wie kaum ein zweites die Geister scheidet. Aber bevor wir zur Brille kommen, muss ich kurz Abbitte leisten…
Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Die Chronik angekündigter Fehleinschätzungen
  2. Ein teures Vergnügen und der bittere Beigeschmack
  3. Die künstliche Isolation
  4. Das Misstrauen gegenüber den „Insektenaugen“
  5. Die gläserne Wand durchbrechen
  6. Der Google-Moment: Rettung oder nur ein weiterer Klecks Senf?


Die Chronik angekündigter Fehleinschätzungen

Ich erinnere mich noch gut an den April 2010. Das erste iPad kam auf den Markt. Ich saß vor dem Rechner und tippte in die Tasten: „Braucht kein Mensch. Das ist doch nur ein zu groß geratenes iPhone ohne Telefonfunktion.“ Was habe ich getan? Natürlich. Ich habe es mir sofort bei der ersten Verfügbarkeit bestellt. Heute muss ich über meine damalige Skepsis schmunzeln – mittlerweile sind die Nachfolger dieses „unnötigen“ Brettchens meine meistgenutzten Geräte im Alltag geworden. Ohne mein (leidlich) aktuelles Pro-Modell wäre mein Workflow hier für unser Forum kaum noch vorstellbar.

Ein paar Jahre später das gleiche Spiel mit der Apple Watch. Seit den späten 80ern habe ich nichts mehr am Handgelenk getragen. Ich mochte das Gefühl von Freiheit am Gelenk. „Eine Uhr? Ich? Nie wieder“, sagte ich. Und zack, am Erscheinungstag schnallte ich mir das Ding um. Man will ja schließlich dabei sein, wenn die Zukunft anklopft, auch wenn man eigentlich gar nicht aufmachen wollte.

Ja! Ich bin ein Opfer!

Und nun also das jüngste Kind aus Cupertino: Die Apple Vision Pro. Auch wenn sie mittlerweile ein „Toddler“ ist: Die gröbsten Kinderkrankheiten sind weg, die Bedienung „läuft“, aber sie ist noch nicht „erwachsen“.

Ein teures Vergnügen und der bittere Beigeschmack

Als die ersten Preise durchsickerten, war ich der Erste, der lautstark verkündete: „Viel zu teuer! Wer soll das bezahlen? Das ist doch völlig am Markt vorbei.“ Und was soll ich sagen? Als sie in Deutschland endlich verfügbar war, war ich wieder ganz vorne mit dabei. Die Neugier ist eben ein Hund, der ständig Gassi gehen will.

In den ersten Wochen war die Begeisterung groß. Ich saß stundenlang unter diesem High-Tech-Visier. Man fühlt sich ein bisschen wie in einem Science-Fiction-Film der 90er, nur mit besserer Auflösung. Aber Butter bei die Fische: In letzter Zeit verstaubt das gute Stück eher, als dass es meine Netzhaut zum Leuchten bringt.

Dabei ist es gar nicht mal der Tragekomfort. Entgegen vieler Unkenrufe in den Reviews gewöhnt man sich an das Gewicht auf der Nase oder den Druck auf die Stirn recht schnell; das ist nach ein paar Tagen kein Thema mehr. Was in Threads wie „Muss man mal erleben“ nur angedeutet wird, läßt aber schon erahnen, dass der Knackpunkt tiefer liegt. Es ist die Isolation.

Die künstliche Isolation

Wenn du das Ding aufsetzt, veränderst du die Statik des Raumes. Du bist zwar noch physisch anwesend, dein Körper drückt in das Polster der Couch, aber dein Geist ist abgewandert in ein hochauflösendes Nirgendwo. Es ist eine seltsame Form der Exterritorialität im eigenen Heim. (Nicht nur) hier bei uns diskutieren wir oft über die Brillanz der Displays oder das Tracking, aber selten über das Gefühl, das entsteht, wenn die Umgebung nur noch eine Kulisse ist, die man per digitaler Krone dimmen kann.

Das Misstrauen gegenüber den „Insektenaugen“

Und dann ist da noch die soziale Komponente, die wir oft unter dem Aspekt „WAF“ – dem Women Acceptance Factor – oder schlichtweg unter Alltagstauglichkeit verbuchen. In meinem Fall: Meine Frau.

Sie sitzt mir gegenüber, vielleicht mit einem Buch oder einfach nur mit ihren eigenen Gedanken. Und dazwischen steht dieses Gehäuse. Sie weiß ganz genau um die Armada an verbauten Kameras in diesem Gerät. Auch wenn Apple uns in jeder Pressemitteilung versichert, dass Privatsphäre großgeschrieben wird, dass die Daten lokal bleiben und die Augen nur für das System sichtbar sind – das Unwohlsein im Raum bleibt. Es ist eine instinktive Reaktion.

Es ist schwer, ein entspanntes Gespräch zu führen, wenn das Gegenüber das Gefühl hat, von einem Insektenauge gefilmt zu werden. Wir Menschen sind darauf programmiert, Blickkontakt zu suchen. Die Vision Pro versucht das mit EyeSight zu simulieren, aber wir wissen beide: Das ist ein digitales Echo, kein echter Blick. Es ist der Versuch, eine Verbindung zu faken, wo technisch gesehen eine Barriere steht.

Wenn man sich im Internet umschaut, merkt man, dass wir uns oft mit der Logik der Algorithmen beruhigen. Aber Logik hilft wenig gegen das ungute Gefühl im Bauch der Partnerin, die sich fragt, ob dieses schwarze Visier gerade ihren müden Blick nach der Arbeit scannt oder einfach nur die Position des Couchtischs berechnet. Es ist die subtile Erosion der Unbeschwertheit. Ein Gespräch braucht Nacktheit – im übertragenen Sinne. Keine Linsen, keine Sensoren, keine Latenz.

Die gläserne Wand durchbrechen

Was machen wir also daraus hier bei uns? Wir sind ja keine Technikverweigerer, im Gegenteil. Wir lieben das Neue, das Experiment. Aber wir lernen auch, dass die beste Technik die ist, die sich wieder klein macht, wenn sie nicht gebraucht wird.

Vielleicht ist die Vision Pro aktuell wie ein teurer Wein, den man alleine im Keller verkostet. Man schätzt die Nuancen, die Tiefe, das Handwerk. Aber der wahre Genuss entsteht meistens dann, wenn man die Flasche teilt und die Gläser klingen lässt, ohne dass eine Kamera dazwischen den Winkel des Anstoßens berechnet.

Es bleibt spannend zu sehen, wie wir da eine Balance finden. Aber eines ist sicher: Die Gespräche am Abend, ohne das Insektenauge auf der Nase, sind durch nichts zu ersetzen. Und das Schöne ist: Die Haube lässt sich jederzeit hochheben!

Der Google-Moment: Rettung oder nur ein weiterer Klecks Senf?

Ganz frisch gibt es Neuigkeiten für die „Strohwitwer-Abende“, die wieder ein bisschen Bewegung in die Sache bringen: Google hat endlich ein Einsehen gehabt und eine native YouTube App für die Vision Pro veröffentlicht. Lange Zeit war das ja eine eher spröde Angelegenheit über den Browser, was dem Erlebnis eher abträglich war.

Wird das nun alles ändern? Wird die Brille dadurch vom staubigen Regal zurück auf meine Nase wandern? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Am Ende ist es vermutlich gar nicht die eine „Killer-App“, die uns fehlt, sondern die Akzeptanz der Umwelt – und unsere eigene Bereitschaft, sich zeitweise aus der Welt auszuklinken. Ich werde die Brille heute Abend jedenfalls mal wieder aufladen und schauen, ob das Bild jetzt schärfer ist als meine Erinnerung an den Kaufpreis.

Ich freue mich darauf, deine Meinung dazu in den Threads zu lesen – besonders falls es hier Leute gibt, die das Gerät auch im familiären Umfeld einsetzen. Lass uns nicht über den Preis reden. Der mag angesichts der verbauten Technik angemessen sein, ist aber natürlich für einen Massenmarkt deutlich zu hoch. Kein Frage! Es geht mehr um das „Generelle“. Falls du dennoch auf den Kosten „herumreiten“ willst: „Got for it!“. Aber… würde es irgendwas ändern? Würdest du eine Apple Vision (ohne Pro) für -sagen wir mal- 2000 Euro kaufen?

Bleib neugierig!


Synthography by me


PS: Und wer jetzt vermisst, was bei uns gestern auf den Teller kam… es war mal wieder „Spag Bolo“, aber natürlich in richtig und mit Tagliatelle. Habe ich glaube ich schon mal thematisiert, daher heute nicht erneut erwähnt. Einziger Zusatz: Wenn der Metzger eures Vertrauens keinen Pancetta hat… sucht euch einen anderen. ;)

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Diskutiere mit uns im Forum! 7 Antworten, zuletzt: 20. März 2026 um 16:50

Über den Autor

Holger ist seit Ende des letzten Jahrtausends in der IT-Branche tätig. Er bezeichnet sich selbst als:
Apple-Enthusiast.
Hobbykoch.
Nordlicht.

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Holger Team

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Antworten 7

Mure77
15. Februar 2026 um 08:57

Schöner Text, alles interessant und ich lese mich da auch in Bezug auf das iPad und die Apple Watch, erstmal quaken und dann doch bestellen.

Bzgl der Brille, sie war irgendwie der erste große Flop von Apple Neuzeit, gefolgt vom iPhone Air und dazu kommt dann bald die Nummer 3 mit dem faltbaren, nehmt es mir nicht übel, Schminkspiegel von Apple.

Allerdings entwickelt Apple etwas, auf einem anderen Niveau wie die anderen. Die Brille ist von der Qualität her eine eigene Liga, das Air von den Bestandteilen, der Haptik, dem Feeling eine andere Nummer als das dünne Teil von Samsung. Das Fold wird auch eine eigene Liga werden, nur habe ich manchmal so ein wenig das Gefühl das Apple sich zu sehr in diesem Premiumbereich verliert und dabei die Anforderungen der Kundschaft aus den Augen verliert.

Quasi so wie in anderen Bereichen, wo die sitzenden Abteilungen die Abteilung Praxis zu wenig oder gar nicht einbinden und sie am Ende fragen "Woran hat et jelegen?".

Die Brille bei aller Entwicklung so teuer auf den Markt zu bringen war der Genickbruch für die Verkäufe, das Air mit einer Kamera, ohne UWW und Makros, zu bringen war hier der Genickbruch und das Fold wird hier und da ausprobiert werden, man wird aber schnell merken dass das nichts für die Tasche ist, dass man das Gerät zwei bis drei mal abends aufklappt und dann ist gut. Dazu kommt, dass das Fold wahrscheinlich nicht mit allem vom Pro ausgestattet werden wird.

Aus meiner Sicht wird es deswegen auch nicht den Erfolg haben können, ein noch teureres Gerät als die Pro Serie, welche dann weniger kann als die Pro Serie? Ich glaube das wird nicht funktionieren.

Würde die Brille preislich irgendwo bei 1500-1800 Euro liegen hätte ich sie vielleicht auch mal abgecheckt, bei Kosten für einen guten Gebrauchtwagen kann ich das hier zu Hause und vor allem mir selbst nicht verkaufen.

Mia
15. Februar 2026 um 09:17

Ich hab zwar keine Vision Pro - und sie reizt mich auch überhaupt nicht - aber mit den anderen Geräten verhält es sich bei mir sehr ähnlich.

Mein Vorteil: ich selbst bin mein WAF. Und der ist ziemlich hoch. Fast schon ungesund hoch 😁🙈

Andy
15. Februar 2026 um 09:55

Die Vision Pro ist ein Highlight, was Technik und so betrifft. Einmal aufgesetzt und man merkt erstmal, was sie eigentlich ist.

Ich bezeichne dieses Stück Technik nicht als Flop. Sie hat sich in geringer Stückzahl verkauft. Und das wohl hauptsächlich wegen des Preises. Nicht, weil sie selbst schlecht ist. Eventuell ist der Preis auch bewusst so übertrieben hoch gewählt worden. Wobei die verbaute Technik einfach Geld kostet… Ich denke, Apple wußte ganz genau, was das wird - und wie der Preis die Verkauszahlen beeinflusst. Wie das Tragen bei anderen an- und aufgenommen wird. Es wurde gezeigt, was eigentlich technisch möglich ist.

Und: Sie haben mehr eingenommen als im Vergleich zu den Milliarden ausgegebenen Dollar für z.B. das Apple Car. Oder die ominöse Lademöglichkeit. Oder …

carsten_h
15. Februar 2026 um 12:56

Das mit keiner Uhr mehr am Arm habe ich auch so ca. 25 Jahre durchgehalten bis dann irgendwann ein erster Fitness-Tracker ganz ohne Display, aber dafür als perfekter Wecker, um keinen anderen zu stören, kam. Nach zwei nicht Apple Uhren kam dann eine SE2.

Die Vision Pro ist das erste Apple Gerät, bei dem ich nach ca. einer Minute gesagt habe, daß ich das nicht gebrauche. Sie reizt mich von Anfang an überhaupt nicht. Bei den AirPods und den HomePods hat es immerhin zwei Minuten gebraucht.

Da es noch kein Klapp-Smartphone von Apple gibt, kann da auch noch kein Reiz aufkommen. Nach dem jetzigen 15 Pro Max, das ein gleich großes 11er abgelöst hat, haben mich alle Nachfolger jedenfalls nicht gereizt.

BitterLeaf42
15. Februar 2026 um 16:15

Also das mit der Isolation kann ich ehrlich gesagt nur bedingt nachvollziehen. Wie oft hat meine Ex-Frau im Urlaub zu mir gesagt, ich solle sie endlich mal in Ruhe ihr Buch lesen lassen. Bücher sind diesbezüglich also keinen Deut besser. 😇

Die Apple Watch Cellular ist für mich immer noch das geilste Gerät von Apple. Nur leider kastriert Apple sie unnötiger Weise. Da ginge noch so viel mehr.

Die Vision Pro hat mich irgendwie nie gereizt, zumal ich es hasse, Dinge auf dem Kopf, insb. auf den Haaren, tragen zu müssen. Deswegen mag ich auch Radfahren so gar nicht, denn man muss ja irgendwie Vorbild sein, was das Helmtragen angeht. 🫣

Holger
20. März 2026 um 16:44

Eigentlich müsste ich den kompletten Artikel neu schreiben! Die native YouTube App hat soooo viel geändert. Die 360 Grad Videos sind inhaltlich belanglos, aber visuell beeindruckend. Ich nutze die AVP jetzt tatsächlich deutlich mehr als vorher. Auch für die normalen 2D Videos.

Es ist, wie Viele schreiben: Es hat die "Killer-App" gefehlt. Ich bin absolut kein Freund von "Bestellen und bei Nichtgefallen zurückschicken". Definitiv nicht! Aber: Kauft euch dieses Teil. Ihr werdet es vermutlich nicht zurückschicken, aber dafür den Anschaffungspreis bereuen. You can blame me! ;)

Andy
20. März 2026 um 16:50

Wie - du schickst jetzt doch nicht zu mir nach Bayern? Hatte mich schon gewundert, wann die Vision Pro endlich hier ankommt…

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